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Inflationsrate bleibt auf erhöhtem Niveau


03.09.21 13:00
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Die Sicht auf die kommenden Monate ist etwas weniger klar als bisher, so die Analysten der Weberbank.

Steigende Infektionszahlen, steigende Inflation und anhaltende Probleme in den Lieferketten würden den Ausblick belasten.

Seit Beginn der COVID-19 Pandemie im Winter 2020 habe es drei wesentliche Triebfedern für die dynamische Aufwärtsbewegung gegeben, die man an den Kapitalmärkten erlebt habe. Den ersten Impuls hätten die Notenbanken mit zusätzlicher Liquidität in nie dagewesener Größenordnung gesetzt, vor allem über den Aufkauf von Staats- und Unternehmensanleihen. Die zweite wichtige Säule hätten staatliche Hilfsprogramme und Investitionspakete gebildet, die erst die Volkswirtschaften stabilisiert und dann stimuliert hätten. Die dritte und für die nachhaltige Bewältigung der Krise wichtigste Größe hätten die neuen Impfstoffe dargestellt, die den Marktteilnehmern jede Menge Zuversicht gegeben hätten. Alle drei Triebfedern hätten deutlich an Schubkraft verloren.

Die Notenbanken würden damit beginnen, Vorbereitungen für eine Reduzierung der Anleihekäufe zu treffen. Staatliche Hilfsmaßnahmen würden sukzessive auslaufen, und auch der Impffortschritt flache ab. Die Erholungsbewegung laufe somit in den Augen der Analysten langsam aus und bilde ein neues Umfeld, das durch moderatere Steigerungsraten von Wirtschaft und Börsen geprägt sein sollte. Viele volkswirtschaftliche Vorlaufindikatoren würden leichte Rückgänge anzeigen. Etwas deutlicher gelte es in nächster Zeit die Wirtschaftsdaten aus China im Blick zu behalten. Hier zeichne sich zunehmend eine Wachstumsverlangsamung ab, da sowohl Staat, als auch Notenbank bereits seit Beginn des Jahres restriktiver agieren würden. Insgesamt deute sich somit weltweit eine Normalisierung der Wachstumsniveaus an.

Das sei allerdings kein Grund, Trübsal zu blasen. Die Auftragsbestände der Unternehmen seien weiter hoch und die Lager gering gefüllt. Die Produktion habe also genug zu tun. Hauptprobleme seien die aktuell nach wie vor gestörten globalen Lieferketten und die gestiegenen Preise für Rohstoffe und Vorprodukte. Die Situation könne nach Meinung der Analysten noch ein paar Monate anhalten. Das werde einerseits das Wachstum dämpfen und in das kommende Jahr verschieben. Andererseits sollten die Inflationsraten dadurch auf erhöhten Niveaus verharren. Sogar ein weiterer Anstieg könne nicht ausgeschlossen werden. Das dürfte den Druck auf die Notenbanken aufrechterhalten.

Die Deutschen sind gebrannte Kinder, was das Thema Inflation anbelangt, und so lässt uns die jüngst gemeldete Inflationsrate von 3,9 Prozent aufhorchen, die den höchsten Stand seit 28 Jahren markiert, so die Analysten der Weberbank. Die Analysten würden jedoch spätestens im kommenden Jahr eine Entspannung bei den Lieferproblemen und Rohstoffpreisen erwarten, was den Preisdruck dann abmindern sollte.

Wie in dem Newsletter der Analysten vor vier Wochen bereits thematisiert, seien die jüngsten Inflationsraten für Sparerinnen und Sparer keine guten Nachrichten. Durch den Anstieg der Inflation sinke die Realverzinsung in Deutschland auf einen neuen Negativrekord von über minus 4 Prozent. Die Realverzinsung stelle die Verzinsung risikofreier Anlagen abzüglich der Inflation dar. Seit 2016 sei diese nun konstant im negativen Bereich, was zu einem Kaufkraftverlust von ca. 10 Prozent in diesem Zeitraum geführt habe. Hätte man stattdessen einen Teil des Geldes in Sachwerte, wie beispielsweise Aktien, investiert, so hätte man die Kaufkraft erhalten und sogar noch steigern können.

Für viele sei Inflation eine sehr abstrakte Zahl, die schwer zu greifen sei und folglich bei Geldanlagen wenig berücksichtigt werde. Die meisten Anlegerinnen und Anleger würden sich auf den reinen Wertzuwachs ihrer Anlagen bzw. den Erhalt des investierten Kapitals fokussieren. Das könne ein folgenschwerer Fehler sein, da die Preise für Güter regelmäßig steigen würden. Denken Sie nur an den Preis für eine Kugel Eis, der früher bei 30 Pfennig lag und heute bei 1,50 Euro angekommen ist, so die Analysten der Weberbank. Es sei in den Augen der Analysten höchste Zeit, seine Anlagen auch mit Blick auf den Inflationsschutz zu überprüfen. (03.09.2021/alc/a/a)