Inflationsrate im Euroraum in Details nicht gänzlich erwartet


02.05.22 15:53
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Inflationsrate im Euroraum fiel laut Schnellschätzung mit 7,5% p.a. (zuvor 7,4% p.a.) weit weniger überraschend aus als in den Vormonaten, war aber in den Details dennoch nicht gänzlich erwartet, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Wie von den Analysten angenommen hätten sich die Energiepreise in der Monatsbetrachtung reduziert und die Lebensmittelpreise hätten zugelegt. Das Ausmaß der Bewegung sei etwas höher als erwartet gewesen, aber da die Bewegungen in entgegengesetzte Richtungen verlaufen seien, habe der Beitrag von Nahrungsmitteln und Energie zusammen zur Gesamtinflation der Schätzung der Analysten entsprochen. Andererseits sei die Kerninflation höher als vermutet gewesen, da sowohl Waren als auch Dienstleistungen stärker als erwartet gestiegen seien. Somit sei die Kerninflation im Jahresvergleich von 2,9 auf 3,5% (1,1% im Vormonatsvergleich) gesprungen. Die wahrscheinlichste Erklärung für diese Entwicklung sei die Weitergabe der höheren Energiepreise.

Während in den USA der Deflator für die persönlichen Konsumausgaben (wichtiges Inflationsmaßzahl für die FED) im März weiter angestiegen sei (von 6,3 auf 6,6% p.a.), hätten sich die Zahlen für das US-BIP (Schnellschätzung) im ersten Quartal 2022 deutlich verschlechtert. Sei das BIP im letzten Quartal noch um 6,9% angestiegen, so sei es nun um 1,4% gesunken und habe damit deutlich unter der Konsensschätzung von +1,1% gelegen. Unterbrechungen der Lieferketten, das Auslaufen der COVID-bezogenen fiskalischen Unterstützung sowie ein Rückgang der Lagerinvestitionen hätten belastet. Darüber hinaus seien diese Faktoren mit einem erhöhten Handelsdefizit einhergegangen. Die Märkte hätten jedoch kaum auf die enttäuschenden Zahlen reagiert, da die US-Wirtschaft weiterhin von den starken Verbraucher- und Unternehmensausgaben getragen werde.

Diese Woche würden die ISM-Indices für April und der monatliche Arbeitsmarktbericht im Mittelpunkt stehen. Die in der vergangenen Woche veröffentlichten Flash-PMIs würden auf eine Divergenz zwischen dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor hindeuten. Während der PMI für das Verarbeitende Gewerbe (59,7) die Konsensschätzungen übertroffen habe, habe der Dienstleistungssektor (54,7) mit einer negativen Entwicklung überrascht.

Trotz eines schwierigen Geschäftsumfelds und eines angespannten Arbeitsmarkts werde erwartet, dass die ISM-Indices in beiden Sektoren steigen und deutlich über der 50-Punkte-Marke bleiben würden, welche einen expansiven Bereich signalisiere. Die Lage am Arbeitsmarkt werde voraussichtlich unverändert bleiben. Die Arbeitslosenquote dürfte bei 3,6% verharren, und die FED werde die Entwicklung des Lohnwachstums, das zuvor nach unten überrascht habe, weiterhin genau beobachten.

Die US-Notenbank dürfte auf der bevorstehenden Zinssitzung das Tempo des Zinszyklus erhöhen. Die Analysten würden eine Erhöhung der Federal Funds Rate um 50 Basispunkte auf 0,75 - 1% erwarten. Wie aus dem Protokoll der März-Sitzung hervorgehe, sei eine Anhebung um 50 Basispunkte bereits damals diskutiert worden, aufgrund der Unsicherheit durch den Krieg in der Ukraine habe man sich dann aber schlussendlich auf eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte geeinigt.

Zwar habe der zugrunde liegende Preisdruck der Kerninflation in letzter Zeit etwas nachgelassen, doch angesichts einer PCE-Kerninflation von über 5% p.a. und langfristigen Inflationserwartungen von über 2,5% müsse die FED ihre hawkishen Signale auch umsetzen, um nicht an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Daher würden die Analysten eine Zinssitzung erwarten , welche die aktuellen Markterwartungen eines raschen Zinszyklus für das Jahr 2022 bestärke. In diesem Zusammenhang würden die Analysten es auch für sehr wahrscheinlich halten, dass die FED ein Programm zum Bilanzabbau beschließe. Nach einer kurzer Einführungsphase könnten die Reinvestitionen der FED um bis zu USD 60 Mrd. für Treasuries und USD 35 Mrd. für MBS pro Monat reduziert werden. (Ausgabe vom 29.04.2022) (02.05.2022/alc/a/a)