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Inflationsgeschützte Papiere mit Potenzial


05.02.21 12:45
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Ist das Glas halb voll oder doch halb leer? Treffender kann die zwiespältige Stimmung an den Märkten kaum beschrieben werden, so die Analysten der Weberbank.

Hoffnungen auf eine Konjunkturbelebung und neue Impfstoffe seien gepaart mit großer Enttäuschung über den schleppenden Verlauf der Impfkampagne und die verhaltene Wirtschaftslage. Optimisten und Pessimisten würden um die Oberhand ringen. Hinzu komme eine Unternehmensberichtssaison, die zwar erfreulich sei, jedoch einem alten Muster gleiche - erst geringe Erwartungen wecken, dann mühelos übertreffen.

Die ersten Wochen des Jahres 2021 würden einen durchwachsenen Verlauf an den Kapitalmärkten zeigen. Gründe hierfür habe es zur Genüge gegeben. So hätten die gemeldeten Volkswirtschaftsdaten die verschärften Einschränkungen widergespiegelt. Aggregiert würden die einzelnen Zahlen in der Gesamtwirtschaftsleistung, dem sogenannten Bruttoinlandsprodukt. Dieses habe zum Jahresende für den Euroraum einen Rückgang von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal und ein Minus von 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum aufgewiesen.

Je größer die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie in den einzelnen Ländern gewesen seien, desto negativer sei folglich auch die Entwicklung gewesen. Dies lasse nichts Gutes für die ersten Monate dieses Jahres erwarten. Seien doch die Maßnahmen in den meisten Ländern über den Jahreswechsel fortgeführt oder wie in Deutschland nochmals verschärft worden. Für die Pessimisten unter den Analysten sei das Urteil "das Glas ist halb leer" daher nur naheliegend. Die Erwartung der Analysten werde in dieser Sichtweise jedoch weniger widergespiegelt.

Zwar würden die länger andauernden Einschränkungen zu leicht geringeren Wachstumsperspektiven führen, aber dennoch sei weiterhin ein Aufschwung zu erhoffen. So dürfte Deutschland im Jahr 2021 "nur noch" mit rund 3,5 Prozent statt bisher erwarteten 4 Prozent wachsen. Aber so hohe Zuwachsraten habe man zuletzt vor zehn Jahren nach der Finanzkrise gesehen. Unser Glas ist daher halb voll und mit dem sich verbessernden globalen Umfeld sogar voller geworden, so die Analysten der Weberbank.

Die Optimisten sollten sich nicht unterkriegen lassen. Würden sie doch auch durch die Notenbanken weitere Unterstützung erhalten. Die Europäische Zentralbank (EZB) greife weiter beherzt in den Markt ein und habe im Januar für rund 70 Milliarden Euro Anleihen gekauft. Ihr für die Pandemie geschaffenes Notfallprogramm sei dennoch erst zu rund 44 Prozent ausgeschöpft. Sie habe damit noch genügend Mittel, um den Markt in der aktuellen Phase mit Liquidität zu beruhigen. Bei festverzinslichen Papiere gelinge ihr dies auch sehr gut. Selbst die politischen Querelen in Italien hätten nicht zu größeren Verwerfungen geführt. Mit großer Spannung würden die Analysten daher auf die kommenden Monate schauen und sich bereits heute die Frage stellen: Wie agiere die EZB mit zunehmendem Aufschwung? Aus Sicht der Analysten werde sie weiterhin aktiv sein, jedoch sollten die Kaufvolumina schrittweise zurückgehen. Dafür spreche auch, dass die Analysten steigende Verbraucherpreise erwarten würden.

Neben den gestiegenen Rohstoffpreisen, einem Konsumstau, der sich entladen könnte, und der erhöhten CO2-Bepreisung von Energie würden auch Sonderfaktoren, wie beispielsweise die ausgelaufene Mehrwertsteuersenkung in Deutschland, für höhere Inflationszahlen sprechen. Bereits heute könnten die Analysten diese Entwicklung in einzelnen Wertpapiersegmenten feststellen. Ein offensichtliches Beispiel dafür seien inflationsgeschützte Anleihen. Diese würden in ihren Kursen die Erwartungen zu zukünftigen Preisentwicklungen berücksichtigen. Aus Sicht der Analysten habe dieses Rentensegment für die kommenden Monate an Attraktivität deutlich zugelegt, und es biete sich als Beimischung in einem Rentendepot an.

Längerfristig würden die Analysten aber natürlich reale Vermögenswerte wie Aktien bevorzugen, und da lohne ein Blick auf die aktuellen Unternehmensberichte. Vor allem in den USA zeige sich ein altbekanntes Muster und dennoch eine Überraschung. So seien die Erwartungen der Analystenschätzungen wieder einmal übertroffen worden. Bisher hätten erst rund 30 Prozent der Unternehmen des S&P 500 ihre Zahlen gemeldet, jedoch seien 80 Prozent der Schätzungen übertroffen worden. Nur wenige Gesellschaften hätten die in sie gesetzten Ziele verfehlt. Ein fast schon übliches Phänomen. Interessant dabei sei, dass höhere Gewinne und Umsätze sich in der Breite aktuell kaum in steigenden Kursen niederschlagen würden. Im Gegenteil, sei doch die Aktienentwicklung nach Veröffentlichung der Ergebnisse so verhalten wie schon lange nicht mehr.

Nach den starken Kursgewinnen der vergangenen Monate seien die Marktteilnehmer etwas vorsichtiger geworden. Die Analysten würden das Umfeld nutzen, um Adjustierungen im Portfolio vorzunehmen, um von der erwarteten Wirtschaftserholung im weiteren Jahresverlauf stärker zu partizipieren. So würden die Analysten aktuell unter anderem das Gewicht der Schwellenländeraktien erhöhen. Die Beweggründe der Analysten seien nicht neu, etwa die guten Fundamentaldaten der Unternehmen oder die bessere Entwicklung des Pandemiegeschehens in Asien. Aber zusätzlich sollten Schwellenländeraktien auch von einer globalen Wirtschaftserholung überdurchschnittlich profitieren. Das zeige sich zunehmend in den globalen Liquiditätsströmen. So würden institutionelle Anleger Schwellenländeraktien höher gewichten und für eine größere Nachfrage sorgen. (05.02.2021/alc/a/a)