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Inflationserwartungen: Produzentenpreise in Deutschland steigen stark


22.07.21 14:00
Quant.Capital Management

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die Erzeugerpreise in Deutschland lagen im Juni 2021 um 8,5 Prozent höher als im Juni 2020, so die Experten der Quant.Capital Management GmbH.

Damit habe sich der Preisanstieg erneut beschleunigt und liege jetzt so hoch wie zuletzt im Januar 1982. "Auch wenn die betrachteten Waren ganz andere sind, ist der Produzentenpreisindex doch ein Indikator für zukünftige Verbraucherpreissteigerungen", sage Ivan Mlinaric, Geschäftsführer der Quant.Capital Management GmbH.

Laut Statistischem Bundesamt sei der aktuelle Sprung der höchste Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat seit der zweiten Ölkrise gewesen, als die Preise im Januar 1982 ein Plus von 8,9 Prozent verzeichnet hätten. Ähnlich hoch sei der Zuwachs zuletzt 2009 im Umfeld der Finanzkrise ausgefallen. "Grundsätzlich schwankt der Index der Erzeugerpreise deutlich stärker als der Konsumentenpreisindex", sage Mlinaric. "Trotzdem zeigen die Datenreihen, dass es eine enge Beziehung zwischen den beiden Preisindizes gibt." So sei die Korrelation mit 0,7 positiv.

"Insofern kann der starke Anstieg der Produzentenpreise durchaus als Warnung für zukünftig steigende Konsumentenpreise genutzt werden", sage Mlinaric. So würden die Daten zeigen, dass die Erzeugerpreise regelmäßig früher steigen oder fallen würden als die Konsumentenpreise. "Das ist ökonomisch erklärbar, denn die Hersteller von Waren und Dienstleistungen haben ein natürliches Interesse daran, ihre steigenden Einkaufspreise an die Verbraucher weiterzureichen", sagte Mlinaric. "Andernfalls würden ihre Gewinnmargen sinken."

Für die Berechnung der Inflationsraten sei dies ein weiterer Baustein. "Ein Gleichklang der beiden Preisindices ist schon deshalb unwahrscheinlich, weil ganz unterschiedliche Waren und Kosten in die Berechnung einfließen", sage Mlinaric. So werde die Inflationsrate auch von steuerlichen Änderungen beeinflusst, wie etwa der zeitweisen Anhebung der Mehrwertsteuer. "Konsumenten müssen ja tatsächlich mehr für die Waren bezahlen, also fließt dies in die Berechnung ein", so Mlinaric. "Für Unternehmen dagegen ist die Mehrwertsteuer ein durchlaufender Posten, der entsprechend keine oder nur sehr geringe Auswirkungen hat."

Für Investoren sei es wichtig, den Zusammenhang zwischen den beiden Preisindices zu kennen und zu beobachten. "Ein starker Anstieg der Erzeuger-Preise erhöht entweder den Druck auf die Gewinnmargen der Unternehmen oder er erhöht den Inflationsdruck", so Mlinaric. (22.07.2021/alc/a/a)