Inflationsdynamik hat möglicherweise ihren Höhepunkt überschritten - Der Rückgang könnte langsamer als erhofft erfolgen


03.05.22 11:15
Fisch Asset Management

Zürich (www.anleihencheck.de) - Der Krieg in der Ukraine hat zwar weiterhin nur einen beschränkten direkten Einfluss auf die Finanzmärkte, allerdings nehmen die indirekten Folgen in Form höherer Inflationserwartungen, einer damit verbundenen restriktiveren Geldpolitik in den USA und der Eurozone und gleichzeitig fallendem Konsumentenvertrauen immer mehr zu, so Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management.

Deshalb setze sich die deutliche Abkühlung der globalen Konjunktur fort. Im Moment würden allerdings noch verschiedene wichtige positive Faktoren wirken wie starke Arbeitsmärkte, hohe Kreditimpulse, viel Liquidität bei den Konsumenten und wieder etwas steilere Zinskurven, welche das mittelfristige Rezessionsrisiko weiterhin vermindern würden. Gleichzeitig würden China und Japan ihre Geldpolitik lockern und damit auch global ausgleichend bei der Geldversorgung wirken. Dennoch würden die chinesischen und japanischen Lockerungen den restriktiveren Kurs in den USA und Europa nicht vollständig kompensieren.

Trotz des insgesamt noch ausgewogenen Umfelds bestünden potenzielle Gefahren in Form von steigenden Inflationserwartungen und dem "Quantitative Tightening" (Verkäufe von Staatsanleihen) der US-Notenbank ab Mai. Die Inflationsdynamik habe zwar möglicherweise ihren Höhepunkt überschritten (aufgrund von Basiseffekten, einer globalen konjunkturellen Abkühlung und etwas stabileren Energiepreisen). Dennoch könnte der Rückgang langsamer als erhofft erfolgen und damit zu höheren langfristigen Inflationserwartungen führen. Dies wäre ein ernsthaftes Problem, das zu Zweitrunden-Inflationseffekten führen könne. Im Rahmen der daraus möglicherweise folgenden noch restriktiveren Geldpolitik sei hier eine stärker als erwartete Reduktion der Zentralbankbilanz (Staatsanleihenverkäufe) denkbar.

Falls dieser Bilanzabbau der US-Notenbank in der Größenordnung von monatlich rund 100 Milliarden US-Dollar ab Mai erfolgen sollte, seien starke Korrekturen, sogar im zweistelligen Minusbereich, an den Aktien- und Kreditmärkten denkbar. Aktuell seien die globalen Devisen- und Finanzmärkte aber noch im Gleichgewicht und die Markttechnik sei neutral. Viel Negatives, insbesondere die restriktivere Geldpolitik der US-Notenbank, sei eingepreist. Auch seien die Markterwartungen aktuell realistisch und vorsichtig. Dennoch sollten sich Investoren vor Augen führen, dass das Chancen/Risiko-Verhältnis derzeit stark asymmetrisch sei. Die Rückschlagrisiken würden die Chancen auf weitere Kurssteigerungen überwiegen. Bereits kleinere Störungen, beispielsweise aufgrund erhöhter Volatilität an den Devisenmärkten, könnten zu heftigen Marktkorrekturen führen. Daher gelte es nun die Entwicklungen genau zu verfolgen und Anlageentscheidungen entsprechend auf die fragile Situation auszurichten. (03.05.2022/alc/a/a)




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