Erweiterte Funktionen

Inflationsdruck in der Türkei bleibt hoch


04.11.20 09:30
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die Inflation in der Türkei ist im Oktober weiter gestiegen, wenn auch nur leicht, so die Analysten von Postbank Research.

Die Jahresrate liege nun bei 11,9 Prozent, nach 11,8 Prozent im Vormonat. Als Preistreiber habe sich vor allem der Nahrungsmittelsektor erwiesen, in dem sich die Waren gegenüber dem letzten Jahr um 16,5 Prozent verteuert hätten. Zu größeren Preissteigerungen sei es auch bei Einrichtungsgegenständen sowie im Transportsektor gekommen. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Lira-Abwertung sei der hohe Inflationsdruck kein Wunder. Allein seit Mitte Juli habe die türkische Währung gegenüber dem US-Dollar mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Die Abwertung werde sich auch in den kommenden Monaten noch in einer höheren Inflationsrate bemerkbar machen.

Um den Wertverfall der Lira aufzuhalten und die Inflation einzudämmen, habe die Zentralbank die Refinanzierungskosten für Wirtschaft und Banken seit Jahresmitte um 600 Basispunkte erhöht. Obwohl der Realzins in der Türkei dadurch inzwischen wieder im positiven Bereich liege, habe sich die Währungsschwäche bis zuletzt fortgesetzt. In der Folge seien Diskussionen um eine außerplanmäßige Leitzinserhöhung der türkischen Notenbank aufgekommen. Die Währungshüter hätten mit einer solchen Notfallmaßnahme allerdings schlechte Erfahrungen gemacht. Als sie im Mai 2018 den Leitzins auf einer Sondersitzung überraschend erhöht hätten, habe sich an den Märkten die Sorge vor einer krisenhaften Entwicklung in der Türkei verstärkt, was den Abwärtstrend der Lira letztendlich beschleunigt habe. (04.11.2020/alc/a/a)