Erweiterte Funktionen

Inflationsdaten aus den USA: Gibt es ein tiefer gehendes Problem?


16.07.21 11:15
LYNX Broker

Berlin (www.anleihencheck.de) - Die Daten, die das Bureau of Labor Statistics Anfang der Woche veröffentlichte, haben die Befürchtungen über eine wachsende Inflation in den USA weiter befeuert, so die Experten von LYNX Broker.

Um ganze 5,4 Prozent sei der Consumer Price Index (CPI) im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Bereinige man diesen Wert um die volatileren Komponenten wie Lebensmittel und Energie, bleibe trotzdem noch eine Preissteigerung von 4,5 Prozent. Das seien die höchsten Werte seit August 2008 und November 1991! Die Frage aller Fragen sei nun: Handle es sich dabei um die vielbeschworene erwartbare und vorübergehende Inflation nach der Pandemie oder zeige sich hier schon ein tiefer gehendes Problem?

"Klar ist, dass die Kategorien, bei denen man davon ausgehen konnte, dass sie im Zuge der Wiedereröffnung der Wirtschaft teurer werden, tatsächlich die Inflationswerte in die Höhe getrieben haben. Die Preise für Gebrauchtwagen sind im vergangenen Monat um 10,5 Prozent, die für Neuwagen um immerhin zwei Prozent gestiegen. Das macht bereits mehr als die Hälfte der monatlichen CPI-Steigerung von 0,88 Prozent aus. Rechnet man noch die Preissteigerungen bei Beherbergungs- und Transportdienstleistungen wie dem Hotelgewerbe und Mietwagen ein, erklärt das bereits mehr als zwei Drittel der Juni-Werte. Hier scheinen die vorübergehenden Effekte in einigen Branchen tatsächlich vorzuherrschen", erkläre Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online- Broker LYNX.

Für ihn würden diese Zahlen noch keine Antwort auf die Frage bieten, ob es mit der Inflation weiter bergauf gehe. "Rechnen wir alle Branchen aus dem CPI heraus, die jetzt gerade boomen, weil ein gewisser Nachholbedarf besteht, bleibt ein Kern-CPI von 0,18 Prozent im Juni. Das würde man unter normalen Umständen als gesunde Preisentwicklung betrachten." Allerdings sollte man sich nicht allein auf die offiziellen Daten der Regierung verlassen, sondern auch andere Quellen nutzen. Doch auch diese würden aktuell noch keinen eindeutigen Hinweis darauf bieten, wie es mit der Preisentwicklung weitergehe. "Einige private Datenbanken zeigen, dass die Mieten deutlich stärker gestiegen sind, als der CPI zeigt. Allerdings haben diese auch für 2020 einen deutlich stärkeren Rückgang verzeichnet als die offiziellen Zahlen. Hier könnte also auch eine gewisse Verzerrung stattfinden, die wir bei den Regierungsdaten nicht sehen."

Hinzu komme, dass bei der Berechnung des Kern-CPI zwar die Kosten für Lebensmittel herausgerechnet würden, diese jedoch trotzdem von den Verbrauchern getragen werden müssten. "Für die offiziellen Inflationszahlen ist das natürlich von Vorteil, weil es den Wert drückt, dem Verbraucher, der plötzlich deutlich mehr für seinen Wocheneinkauf und das Benzin zahlt, hilft das jedoch nicht weiter. Und gerade bei Lebensmitteln muss man damit rechnen, dass die Preise in den kommenden Monaten nochmal anziehen", erkläre Sadowski.

Tatsächlich hätten bereits mehrere Lebensmittelkonzerne wie PepsiCo angekündigt, die Preise in absehbarer Zeit zu erhöhen. Für Sadowski stehe daher fest: "Natürlich kann man die jetzt vorgelegten Daten dahingehend interpretieren, dass es sich um ein weitgehend vorübergehendes Phänomen handelt, wie es auch die FED in ihrem Statement tut. Allerdings eben nur weitgehend - und das bedeutet, dass es für eine Entwarnung noch nicht reicht." (Ausgabe vom 14.07.2021) (16.07.2021/alc/a/a)