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Das Inflationsbiest


08.10.21 10:00
Degussa Goldhandel

München (www.anleihencheck.de) - Die Sorge vor Inflation ist begründet, so Dr. Thorsten Polleit, Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel.

Die Zentralbanken würden die Geldmenge ungestüm inflationieren und der "Energiepreisschock", für den vor allem auch die "grüne Politik" sorge, lasse sie sich in steigenden Güterpreisen entladen; das "Inflationsbiest" hebe sein hässliches Haupt.

Die gestiegene Preisinflation sei zweifelsohne, unverkennbar und unübersehbar zum Schaden der schaffenden Bevölkerung in Deutschland.

Die gestiegene Preisinflation habe in Deutschland dazu geführt, dass die realen Löhne und Gehälter im Juli 2021 um 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen seien. Das sei der größte Rückgang seit den frühen 1960er Jahren gewesen. Die Preisinflation beraube also die Beschäftigten der Früchte ihrer Arbeit. Und noch etwas Auffälliges lasse sich beobachten: Der Zuwachs der realen (inflationsbereinigten) Entlohnung habe von Anfang 1961 bis Ende 1998 durchschnittlich 2,6 Prozent pro Jahr betragen. In der Zeit von Anfang 1999 (dem Beginn der Euro-Währungsunion) bis Juli 2021 habe sie hingegen nur noch 0,7 Prozent betragen.

Um Inflation handle es sich dann - genauer sollte man von "Güterpreisinflation" sprechen -, wenn die Preise der Güter auf breiter Front und auch fortgesetzt in die Höhe steigen würden. Die unmittelbare Folge der Güterpreisinflation liege damit auf der Hand: Sie setze die Kaufkraft des Geldes herab: Würden die Güterpreise steigen, erhalte man weniger Güter und Dienste für sein Geld.

Heutzutage versprächen Zentralbanken der Öffentlichkeit, die Inflation der Güterpreise bei 2 Prozent pro Jahr zu halten. Das werde zwar als "Preisstabilität" verkauft, sei jedoch natürlich inflationär. Es laufe darauf hinaus, die Kaufkraft des Geldes pro Jahr um 2 Prozent herabzusetzen. Aber es sei noch etwas anderes, das problematisch sei an dem Versprechen, die Inflation niedrig anstatt die Güterpreise stabil zu halten. Denn einmalige Zielverfehlungen würden in der Praxis zu dauerhaften Einbußen der Kaufkraft des Geldes führen.

Die Zentralbanken würden sich dem "Inflationsbiest" bislang nicht in den Weg stellen - sie hätten es vielmehr gezüchtet und leider würden sie es weiter mit ihrer chronischen Niedrig- und Negativzinspolitik und der heftigen Ausweitung der Geldmengen füttern. Umsichtige Anleger seien daher gut beraten, die Inflationsproblematik ernst zu nehmen. Bei den "Opfern" der Inflation stehe natürlich das Geld an erster Stelle: In einem Umfeld der Null- und Negativzinsen sowie steigender Preisinflation werde das Halten von Geld zum Verlustgeschäft. (Ausgabe vom 07.10.2021) (08.10.2021/alc/a/a)