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Inflationsängste? Die Märkte können die Inflation nicht herbeizwingen


23.02.21 08:45
Barings

Boston (www.anleihencheck.de) - Agnès Belaisch, Managing Director und Chief European Strategist des Barings Investment Institute, kommentiert die wachsende Furcht vor einem Anstieg der Inflation und die Fakten, die dem gegenüberstehen.

In dieser Woche werde die endgültige Schätzung der Inflation in der Eurozone für Januar veröffentlicht. Sollte es eine Aufwärtsrevision geben, könnte dies Ängste vor einem Wiederaufleben der Inflation auslösen. Basiseffekte und Angebotsengpässe an den Rohstoffmärkten dürften die Inflation im nächsten Monat weiter beschleunigen. Zwar sieht unser Basisfall vor, dass die Inflation in diesem und im nächsten Jahr deutlich unter dem EZB-Ziel von 2% bleibt, allerdings könnten die neuen Zahlen weiteren Druck auf den US-Anleihenmarkt ausüben, so Agnès Belaisch von Barings.

Die Händler würden eine Rückkehr der Inflation in der US-Renditekurve einpreisen, was eine Leitzinserhöhung in der zweiten Jahreshälfte 2022 erwarten lasse, sowie eine restriktivere Geldpolitik der FED Anfang nächsten Jahres. Dabei scheine keine Rolle zu spielen, dass die FED kommuniziert habe, dass eine Zinserhöhung frühestens im Jahr 2024 erfolgen werde. Wie lasse sich erkennen, wer in dieser Debatte über die Inflation Recht behalten werde?

Die Märkte hätten die Impferfolge und die Lohnschutzprogramme der US-Regierung vor Augen, um zu dem Schluss zu kommen, dass sich die Verbraucher nicht zurückhalten und die Inflation in die Höhe treiben würden. Und sie würden auch den Aktien höhere Bewertungen beimessen, insbesondere in Bereichen, die zuvor zurückgeblieben seien, von Rohstoffen über Finanzwerte bis hin zu zyklischen Konsumgütern - die Euphorie sei ansteckend.

Ökonomen würden fassungslos zuschauen. Die anhaltende Unsicherheit bei der Zähmung des Virus sei ein guter Grund, eine unvollständige Erholung zu erwarten. Unklare Beschäftigungsaussichten, da die Unternehmen zögern würden, neue Mitarbeiter einzustellen, würden die Verbraucher sicher dazu motivieren, ihre Ersparnisse zurückzuhalten. Eine Rückkehr der Inflation sei daher nicht zu befürchten. Zumal der Anstieg der Ölpreise, weil das kalte Wetter Teile der US-Ölversorgung außer Betrieb setze, nur vorübergehend sei. Es gebe Beeinträchtigungen in der Lieferkette durch anhaltende Mobilitätseinschränkungen infolge der Pandemiebewältigung. Aber keinesfalls, so heiße es, sei irgendetwas davon ausreichend, um einen anhaltenden Nachfrageüberhang nach allen Gütern und Dienstleistungen relativ zu ihrem Angebot, also Inflation, auszulösen.

Egal, wo die Wahrheit liege, die Märkte hätten immer Recht. Sie möchten die Inflation - und sie würden sie einpreisen. Dennoch könnten sie die Inflation nicht herbeizwingen. Es bestehe sogar die Gefahr, dass dies so weit gehe, die Liquidität so stark zu verteuern, dass die Erholung ins Stocken gerate. Glücklicherweise seien die Zentralbanken wachsam. Sie würden die Debatte letztlich regeln und verhindern, dass sich die Angst vor den Erholungsaussichten durchsetze. (23.02.2021/alc/a/a)