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Inflationäre Märkte, inflationäre Sorgen oder einfach nur Inflation?


07.04.21 08:45
Allianz Global Investors

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit Beginn des Frühjahrs zeichnet sich für die Weltwirtschaft eine spürbare Beschleunigung der Konjunkturdynamik ab, so die Experten von Allianz Global Investors.

Mehrere Faktoren würden für kräftige Wachstumsraten über Potenzial im zweiten und dritten Quartal 2021 sprechen: Sinkende Infektionszahlen dank stetiger Impffortschritte (wenngleich in unterschiedlichem Tempo) und milderer Temperaturen in der nördlichen Hemisphäre, schrittweise Lockerungen der pandemiebedingten Beschränkungen, verknüpft mit einer weiterhin unterstützenden Wirtschaftspolitik. Die Spuren der heftigsten globalen Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg würden verblassen.

Für sich genommen löse dieser erwartete zyklische Rückenwind für die Unternehmensgewinne, und damit auch für die Aktienmärkte auch bei Investoren Frühlingsgefühle aus. Gerade nach den kräftigen Kurssteigerungen in den vergangenen Monaten sei die Gewinnentwicklung ein wichtiger Taktgeber für die Börsen.

Dabei werde in vielerlei Hinsicht die Ausnahmestellung der USA - Stichwort "US Exceptionalism" - zunehmend deutlich. Chinas Wirtschaft habe den Einbruch Anfang 2020 schon lange wettgemacht und inzwischen würden die Stimmungsindikatoren eine Verlangsamung des Konjunkturaufschwungs signalisieren. Neuinfektionszahlen und die stockende Impfkampagne würden im Euroraum die Vorfreude auf den konjunkturellen Frühling dämpfen.

In den Vereinigten Staaten dagegen würden zügige Impffortschritte und die von Präsident Joe Biden avisierten billionenschweren Fiskalpakete die Konjunkturfantasie beflügeln. Innerhalb eines insgesamt günstigen globalen Konjunkturumfelds würden die Experten für die USA in den kommenden Quartalen ein im Vergleich zu den anderen G4- und vielen Schwellenländern stärkeres Wirtschaftswachstum erwarten. Sollte sich die Wachstumsprognose der US-Notenbank Federal Reserve für 2021 von 6,5% bewahrheiten, wäre dies das kräftigste Wachstum seit 1984.

Mit einem gewissen Stirnrunzeln werde unter Anlegern derzeit allerdings heiß diskutiert, ob auch die Inflation aus ihrem langen Winterschlaf erwache. Während der Corona-Pandemie habe der Preisdruck weltweit infolge sinkender Ölpreise und einer deutlich niedrigeren Nachfrage stark nachgelassen. Doch um die Jahresmitte 2021 herum könnten die Inflationsraten in den USA über 3% und im Euroraum über 2% liegen.

Steigende Inflationsrisken wiederum könnten die Notenbanker zu einem überraschend vorzeitigen Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik zwingen. Aufkeimende Diskussionen über ein Auslaufen der FED-Anleihenkäufe dürften den Rentenmarkt in den kommenden Monaten immer wieder belasten. Für risikoreichere Anlageklassen seien moderat steigende Renditen als Folge wirtschaftlichen Wachstums durchaus positiv, das gelte jedoch nicht für unerwartet schnelle und starke (Real-)Zinsanstiege.

Doch Vorsicht: Es seien in der kurzen Frist vor allem vorübergehende Sonderfaktoren, die auf ein spürbares Anziehen der Inflationsraten in den kommenden Monaten hinweisen würden, darunter signifikante Basiseffekte (im Vergleich zum Wirtschaftseinbruch des Vorjahres), steigende Rohstoffpreise, spürbare Nachholeffekte beim privaten Konsum und mögliche Engpässe im Dienstleistungssektor im Anschluss an eine Lockerung der Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen. In der Vergangenheit hätten Notenbanken einer temporär steigenden Inflation die kalte Schulter gezeigt.

Ob sich der diesjährige Reflationstrend nachhaltig manifestiere, sei dagegen ungewiss. So erwarte die FED, dass ihr bevorzugtes Inflationsmaß im Jahr 2022 auf 2,0% zurückkehre und signalisiere keine Zinserhöhungen vor dem Jahr 2023. Im Euroraum dürfte die Inflation im kommenden Jahr erneut deutlich unterhalb der Preismarke der Europäische Zentralbank verharren (EZB-Projektion: 1,2%). Eine schnelle Wende bei der Geldpolitik zeichne sich noch nicht ab.

Es bleibe also dabei: Angeführt von den USA würden sich die Finanzmärkte derzeit in einem Tauziehen zwischen einem günstigen makroökonomischen Umfeld einerseits und den wachsenden Befürchtungen einer Drosselung der geldpolitischen Unterstützung im Laufe der Zeit andererseits befinden. (Ausgabe vom 06.04.2021) (07.04.2021/alc/a/a)