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Inflation wird den Finanzmarkt über die nächsten Monate als Thema begleiten


08.02.21 09:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Inflation wird den Finanzmarkt über die nächsten Monate als Thema begleiten, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Nachdem der sprunghafte Anstieg der Inflation in der Eurozone nicht spurlos am Markt vorübergegangen sei, werde die Veröffentlichung der Verbraucherpreisinflation in den USA diese Woche im Fokus stehen. Es werde erwartet, dass die Inflationsrate im Januar auf 1,5% p.a. ansteige, von 1,3% im Dezember, basierend auf einer erhöhten Preisdynamik im Monatsvergleich (0,3% p.m. saisonal bereinigt). Ein sprunghafter Anstieg der Inflationsrate, wie jener in der Eurozone, sei in den USA erst im März und April zu erwarten, sodass die Inflationsrate im 2. Quartal deutlich über 2% liegen werde.

In der Eurozone habe die Teuerungsrate mit einem Plus von 1,2 Prozentpunkten (PP) bereits im Januar einen unerwartet starken Sprung nach oben verbucht. Neben einem nachlassenden inflationsdämpfenden Effekt der Energiepreise sei der Anstieg auch von diversen weiteren Faktoren getrieben worden und habe somit die Kernrate um einen Prozentpunkt nach oben gehievt (verschobener Winterschlussverkauf, Auslaufen der Mehrwertsteuersenkung und CO2 Bepreisung in DE, geringerer saisonaler Preisnachlass bei Pauschalreisen, etc.). Die meisten Effekte würden die Berechnungsbasis für das gesamte Jahr erhöhen - die Inflationsrate werde also im Februar nicht wieder deutlich sinken.

Abseits der Inflationsdaten in den USA sei der Datenkalender dünn besetzt. Die anstehenden Zahlen zur Industrieproduktion in einzelnen Euroländern im Monat Dezember 2020 seien alte Schlagzeilen - immerhin lägen bereits die BIP-Schätzungen für das 4. Quartal 2020 am Tisch. Die Sentix-Umfrage erscheine den Analysten der RBI relevanter, da diese gewisse Aufschlüsse zur bevorstehenden Wirtschaftsentwicklung gebe. Die Analysten der RBI würden mit einem leichten Anstieg des Indikators rechnen - die Einschätzung der aktuellen Situation werde sich kaum verbessert haben und die Zukunftserwartungen befänden sich bereits auf lichten Höhen.

An politischen Ereignissen dominiere derzeit wieder einmal die Erwartung eines Fiskalpakets in den USA. Mit der knappen Mehrheit im Senat (51:50) sei es den Demokraten nun gelungen den von Präsident Biden angekündigten Stimulus von USD 1.900 Mrd. zu beschließen. Nach einem 15-stündigen Abstimmungsprozess über Abänderungsanträge, bekannt als "vote-a-rama", hätten wesentliche Elemente von den Demokraten behauptet werden können, wie etwa neuerliche Einmalzahlungen von USD 1.400 an Haushalte oder eine Aufstockung der Arbeitslosenunterstützung von wöchentlich USD 400. Werde das Maßnahmenpaket auch im Repräsentantenhaus unterstützt, was aufgrund der demokratischen Mehrheit (221:211) zu erwarten sei, sollte dieses den Konjunkturoptimismus im Jahr 2021 zusätzlichen Auftrieb verleihen.

Die Kombination aus fiskalischer Konjunkturunterstützung in den USA und Inflationsüberraschungen in der Eurozone habe Benchmark-Renditen zu neuen Höchstständen im noch jungen Jahr 2021 verholfen. Steigende Inflationserwartungen hätten dazu sowohl in den USA als auch in der Eurozone beigetragen. Obwohl Inflationserwartungen insbesondere für die nähere Zukunft zugelegt hätten, sei der Renditeanstieg im langen Laufzeitensegment ausgeprägter gewesen. Das reale Renditeniveau sei im kurzen bis mittleren Laufzeitensegment sogar gesunken (UST 5J: +10 BP nominell vs. -20 BP real seit Jahresbeginn). Ein Rückgang der Risikoprämien in der Eurozone-Peripherie, aufgrund des Regierungsbildungsauftrags an den früheren EZB-Präsidenten Draghi, habe des Weiteren zu einem Umfeld steigender Renditen sicherer Häfen beigetragen. Einen moderaten Anstieg nomineller Renditen bei anhaltend gedämpften realen Renditen würden die Analysten der RBI als konsistent mit ihrem aktuellen Prognosebild erachten. (Ausgabe vom 05.02.2021) (08.02.2021/alc/a/a)