Erweiterte Funktionen

Die Inflation - Ein unliebsamer Wegbegleiter für Sparer


13.07.21 13:00
Raiffeisen Centrobank

Wien (www.anleihencheck.de) - Das Thema Inflation erreicht die Finanzwelt mit vollem Schwung, so die Analysten der Raiffeisen Centrobank.

Das lateinische Wort "inflare" ("aufblasen") bezeichne steigende Preise, die sich durch die Inflationsrate ausdrücken würden, diese sei eine Art Fieberthermometer einer Volkswirtschaft oder eines Wirtschaftsraums (wie der Eurozone). Um die Inflationsrate zu ermitteln werde ein statistischer Warenkorb zusammengestellt, der die Preise von Bekleidung, Nahrungsmitteln, Wohnen, Energie und vieles mehr, aufliste. Auf Basis dieses Warenkorbs werde der Preisindex berechnet, welcher angebe, wie stark sich die Preise für die Güter des Warenkorbs im Zeitverlauf verändert hätten.

Der Begriff Inflation sei oftmals negativ behaftet, damit werde immer wieder "schwere Inflation" (Teuerungsraten von mehr als 5% pro Jahr), oder gar "Hyperinflation" (monatliche Steigerungsraten von über 50% wie in Venezuela) in Verbindung gebracht. Bei einer hohen Inflationsrate, welche die Überhitzung der Wirtschaft als Auslöser haben könne, verliere Geld an Wert. Menschen könnten somit weniger kaufen und Unternehmenseinnahmen fallen, als Resultat würden Investitionen zurückgefahren, das habe negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, was sich wiederum in sinkendem Konsum widerspiegele - ein Teufelskreis. Hingegen eine leichte Teuerung von jährlich knapp unter 2% sei aus Sicht der Europäischen Zentralbank (EZB) optimal.

Einer Schnellschätzung der Statistik Austria zufolge sei die Inflation in Österreich im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat um 3% gestiegen. Innerhalb der Eurozone sei das eine der höchsten Teuerungsraten und vor allem auf gestiegene Energiepreise zurückzuführen. Die jüngsten Entwicklungen an den globalen Rohstoff-Märkten und Versorgungsengpässe in Industrie und Bau würden dazu führen, dass gestiegene Inflation kein Österreich-Spezifikum sei, sondern auch die ganze Eurozone betreffe.

Mit 1,6% im Jahresvergleich falle die Gesamtinflation der Eurozone im April im Vergleich zum Jahresdurchschnitt im Jahr 2020 deutlich höher aus. Der im Jahresverlauf durch den Basiseffekt bei Energiepreisen entstandene Aufwärtsdruck der Inflation werde kontinuierlich nachlassen, jedoch durch die Wiedereröffnung vieler Wirtschaftssektoren könne und werde aufgestaute Nachfrage das Angebot voraussichtlich übersteigen und sich preissteigernd auswirken. Bis Jahresende werde ein deutlich über 2% liegender Verbraucherpreisindex erwartet. Zudem werde erwartet, dass die Inflation in den nächsten Jahren höher bleibe als in den letzten zehn Jahren (Dekade nach der Finanzkrise).

"Zwangssparen" aufgrund von Corona-Konsumeinschränkungen und Vorsichtssparen hätten während der Pandemie dazu geführt, dass viele Menschen in Österreich deutlich mehr Geld zur Seite gelegt hätten. Laut einer kürzlich erschienenen Publikation der Österreichischen Nationalbank belaufe sich das Finanzvermögen der ÖsterreicherInnen auf EUR 763,10 Milliarden Euro, davon würden sich EUR 310 Mrd. (das entspreche 41%) in Bargeld und auf Sparbüchern befinden. Dennoch sinke der Wert des Sparvermögens der Österreicher seit mehr als einem Jahrzehnt, der Grund dafür sei die über den mageren Sparbuchzinsen liegende Inflationsrate (Negative Realverzinsung).

Während somit die Geldentwertung rasant fortschreite, würden viele ÖsterreicherInnen, aufgrund vermeintlich nicht vorhandener sicherheitsorientierter Alternativveranlagungen, tatenlos dabei zusehen. (Ausgabe vom 15.06.2021) (13.07.2021/alc/a/a)