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Inflation setzt Notenbanken unter Druck


05.11.21 13:00
Robert Beer Investment

Weiden (www.anleihencheck.de) - Nachdem sich der Markt Ende September noch etwas wackelig präsentierte, neigt er zuletzt wieder zur Stärke, so Dipl. - Ing. Robert Beer von Robert Beer Investment.

Die Allzeithochs stünden unmittelbar bevor und die vielzitierte Jahresendrallye scheine greifbar. Die Statistik jedenfalls spreche für einen freundlichen Jahresausklang, wohlwissend, dass vieles möglich erscheine.

Denn die Themen, mit denen man sich in den letzten Monaten beschäftigt habe, seien weder vorbei noch gelöst. Lieferkettenprobleme, Logistikstau, Energiepreise: Drei Bereiche, die weiter Druck auf die Inflation ausüben würden. Und damit auf die Notenbanken, dem billigen Geld ein Ende zu setzen oder zumindest etwas vom Gas zu gehen.

Dass dies leichter gesagt wie getan sei, habe man an 2-jährigen australischen Staatsanleihen gesehen. Nur die Ankündigung der Notenbank, diese nicht mehr zu kaufen, habe zu einem fulminanten Anstieg der Rendite von 0,1% auf 0,8% geführt. Nun könne man sicher sagen, dass es um Australien und hier auch nur um einen Teil gehe. Wie schwer es sein werde, auf immer mehr billiges Geld zu verzichten, werde sich zeigen.

Bundesbankpräsident Weidmann habe hingegen seinen Rücktritt zum Jahresende angekündigt. Im EZB Rat habe er mit seiner stabilitätsorientierten Haltung ohnehin zuletzt eine deutliche Mehrheit gegen sich gehabt. Mit der neuen Regierung und den angedachten Milliarden für den Klimaumbau, der Überlegung zur Anhebung des Maastricht-Schuldenwerts von 60 auf 100% des BIP und der generellen laissez-faire Fiskal-Politik könne er sich nicht identifizieren.

So fordere der Leiter des DIW Marcel Fratzscher auch unkonventionelle Maßnahmen: Die neue Regierung solle 2022 eine halbe Billion neue Schulden aufnehmen, um die Klimawende der nächsten Jahre zu finanzieren und ab 2023 dennoch die Schuldenbremse einzuhalten. Finanziert durch die Notenbanken.

Für die Wirtschaft und die Unternehmen wäre dies ein willkommener und positiver Ausblick für die kommenden Jahre. Durch die planbaren Ausgaben würden sich schließlich viele Geschäftschancen ergeben, der Umbau weg von einer CO2-intensiven zu einer emissionsfreien Wirtschaft würde durch Anreize und Zuschüsse Großteils vom Staat finanziert und lasse sich von einem starken Heimatmarkt aus auch weltweit zu Geld machen. Ein kreditfinanzierter Impuls also, der die Wirtschaft auf das nächste Level hieven und die kommenden Jahre positiv beeinflussen könne, so die Überlegung.

Für den Staat wäre die Rechnung ebenfalls positiv: Schließlich könne er sich die Mittel für diesen proaktiven Impuls aufgrund des aktuellen Zinsniveaus zu "Null" leihen. Dies würde definitiv billiger kommen als in 10 oder 20 Jahren auf die Folgen des Klimawandels zu reagieren. Und auch das Argument der Generationengerechtigkeit, also der nachfolgenden Generation die Schuldenlast zu vererben, würde so relativiert. Also durchwegs positive Aspekte, die für kreditfinanzierte Klimaimpulse sprechen würden.

Dennoch gelte es die Risiken im Blick zu behalten, die mit einer solchen Politik verbunden seien. Ein Überschießen der Inflation sei weiterhin möglich. Die schwächsten der Gesellschaft, also Geringverdiener und Rentner, würden am stärksten unter der Entwicklung leiden. Auch Emerging Marktes, in denen Nahrungsmittelpreise einen Großteil der Ausgaben ausmachen würden. Soziale Spannungen drohen zuzunehmen, so die Experten von Robert Beer Investment.

Anleger sollten sich vor dem Hintergrund dieser Entwicklung der Risiken bewusst sein. Denn die konjunkturellen Risiken, die sich aus den genannten Bereichen Lieferketten, Produktion und Inflation sowie Immobilien ergeben würden, seien nicht zu unterschätzen. Daher seien nach Erachten der Experten eine breite Streuung über verschiedenen Branchen sowie aktives Risikomanagement auch in den kommenden Monaten sinnvoll, sowohl bei länderspezifischen als auch bei globalen Investments. (05.11.2021/alc/a/a)