Erweiterte Funktionen

Inflation lässt US-Zinskurve weiter drehen - Zinsanhebungserwartungen aber überzogen?


15.11.21 14:46
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Rentenmarktteilnehmer stellen sich auf eine länger anhaltende Phase hoher Inflation ein, so die Analysten der NORD LB.

Die in der vergangenen Woche veröffentlichten Preisdaten aus den USA würden erkennen lassen, dass die Inflation im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wohl noch bis zum Ende des ersten Quartals bei über 6% liegen und erst im Frühsommer wieder unter 4% fallen dürfte. Die kurzen und mittleren Laufzeitenbereiche der US-Treasuries hätten diese Erwartungen mit höheren Renditen schon zügig eingepreist. Im langen Laufzeitenbereich dagegen seien die Renditen kaum angezogen - offenbar bestehe ein hohes Maß an Grundvertrauen, dass die Federal Reserve auf längere Sicht die Inflation wieder wird bändigen könnten. Zudem trete sie ja auch (noch) als ein wesentlicher Käufer von US-Treasuries auf. In der Summe habe die US-Zinskurve eine Drehung vollzogen. Grundsätzlich sollte davon ausgegangen werden, dass auch die Renditen der längeren Laufzeiten sukzessive anziehen würden. Die Spekulationen könnten zunehmen, ob die Federal Reserve das Tempo beim Tapering nochmals erhöhe, um gegebenenfalls frühere Zinsmaßnahmen vornehmen zu können. Das alles werde aber auch davon abhängen, inwiefern die Pandemie tatsächlich in 2022 abgeschüttelt werden könne und auch die Lieferengpässe - aufgrund der angespannten Lage in vielen Teilen der Welt - nicht noch zunehmen würden. Die Analysten der NORD LB würden jedenfalls die Markterwartungen einer Zinsanhebung bereits im Juli 2022 für verfrüht halten.

Zunächst einmal gelte es die anstehenden Konjunkturdaten zu "verarbeiten": Gleich am Dienstag stünden mit den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion aus den USA zwei Highlights an, die die Robustheit der Konjunktur bestätigen könnten. Die Einzelhandelsumsätze dürften den dritten Monat in Folge deutlich anziehen, die Industrieproduktion nach dem Vormonatsrückgang ebenfalls ansteigen. Die Immobiliendaten - wie der NAHB-Index und die Baugenehmigungen und -beginne - am Dienstag bzw. Mittwoch sollten solide seitwärts tendieren, genauso wie der Philadelphia-Index am Donnerstag.

In Europa stünden wenige marktrelevante Indikatoren zur Bekanntgabe an, so dass vermutlich die britischen Inflationszahlen am Mittwoch größere Beachtung finden könnten. Denn schließlich könnten sie mitbestimmen, ob die Bank of England im Dezember eine erste Zinsanhebung vollziehen werde. (15.11.2021/alc/a/a)