Erweiterte Funktionen

Inflation ist größtenteils vorübergehend


01.07.21 10:15
Nordea Asset Management

Stockholm (www.anleihencheck.de) - Der derzeitige Optimismus an den globalen Märkten hat zu einer vorübergehenden Überhitzung der Weltwirtschaft geführt, so die Experten von Nordea Asset Management.

Die Lieferketten seien überlastet, die Rohstoffpreise stark gestiegen und die Lohnerwartungen hätten sich zumindest in den USA erhöht. Es stelle sich die Frage: Sei diese Inflation nur vorübergehend oder dauerhafterer Natur? Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, ist der Ansicht, dass die Ursachen für die derzeitige Inflation in großen Teilen vorübergehend sind, auch wenn der Lohndruck aufgrund des Nachholbedarfs hoch bleiben dürfte. Dies spreche aus Sicht des Experten für Investmentlösungen mit niedriger Duration und zyklische bzw. Value-Aktien.

In einem Nachfrageaufschwung wirke sich der zyklische Teil der Inflation positiv auf die Unternehmensgewinne aus, da die Unternehmen die steigenden Kosten, beispielsweise für die ESG-Internalisierung, leicht weitergeben könnten. Das setze mittelfristig steigende Reallöhne oder die Erwartung derselben voraus. Unternehmen, die ihre Produktivität nur geringfügig steigern könnten, seien zudem gezwungen, die gestiegenen Kosten an die Verbraucher weiterzugeben, insbesondere bei niedrigen Gewinnmargen und starker Nachfrage. "Unter dem Strich dürfte sich diese Inflation in höheren Gewinnen niederschlagen, was Aktieninvestments stützen dürfte", sage Sébastien Galy. "Wir sehen Chancen bei Value-Titeln bzw. zyklischen Aktien."

Die Probleme in den Lieferketten könnten nach Einschätzung Galys mehrere Monate andauern, während der Basiseffekt des letzten Jahres bei den Preisen nachlasse. Angesichts der expansiven Geldpolitik und folglich steigender Kosten würden die Unternehmen die Preise erhöhen, und es sei zu befürchten, dass sich die Inflation so selbst verstärke. "Unternehmen dürften anfangen, eine steigende Inflation zu antizipieren und die Preise noch höher anzusetzen, wodurch eine Inflationsspirale entsteht", sage Galy. "Erste Anzeichen einer solchen Entwicklung zeigen sich in den USA." Auf der anderen Seite hätten einige Arbeitnehmer unter niedrigem Reallohnwachstum gelitten, oft schon seit Jahrzehnten. Ihre Lohnerwartungen scheinen sich nach Ansicht des Experten von Nordea Asset Management nun nach oben verschoben zu haben, unterstützt durch eine bessere Lage am Arbeitsmarkt. "Wir denken deshalb, dass der Inflationsdruck vorübergehend ist und nur der Lohndruck aufgrund des Nachholbedarfs erhöht bleiben wird", fasse Galy zusammen.

Auch die US-Notenbank FED habe bislang die Ansicht vertreten, dass der Inflationsdruck vorübergehend sei. Sie werde jedoch der Tatsache ins Auge sehen müssen, dass der Lohndruck erhöht sei und dies auch bleiben werde. Entsprechend habe sie zuletzt eine vorsichtigere Haltung eingenommen und zwei Zinserhöhungen im Jahr 2023 vorausgesagt. "Wir erwarten, dass sich diese weniger aggressive Haltung im dritten Quartal fortsetzt", sage Galy.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sei hingegen hauptsächlich mit vorübergehenden Inflationseffekten konfrontiert. "Sie kann es sich deshalb leisten, länger als die FED "Geld zu drucken", was den EUR/USD-Kurs nach unten treiben dürfte", argumentiere der Makro-Stratege. "Dennoch erwarten wir, dass die EZB ihre umfangreichen, Pandemie-bedingten Anleihekäufe im September zurückfahren wird."

"Wir setzen auf globale Value-Aktien sowie auf Value- bzw. zyklische Aktien aus Europa", so Galy. Ebenfalls interessant sei börsennotierte Infrastruktur. "Wenn die Wirtschaft überhitzt, sollten globale Infrastrukturaktien immer noch von den Staatsausgaben in Europa und den USA profitieren", sage Galy. "Hierbei handelt sich um eine defensive Anlageklasse, die derzeit mit historischen Abschlägen gehandelt wird und in hohem Maße von langfristigen Trends wie der Überalterung bestehender Infrastrukturanlagen, der Dekarbonisierung und dem Datenwachstum profitieren dürfte, was für das Wachstumspotenzial dieser Anlageklasse spricht." Angesichts einer erwarteten geldpolitischen Straffung lohne sich zudem ein Blick auf die Möglichkeiten zur Alpha-Generierung mit kurzlaufenden Pfandbriefen. "Im Gegensatz dazu sind wir vorsichtig bei Hochzinsanleihen in den USA, da sie aktuell perfekt bepreist sind", erläutere Galy.

Im dritten Quartal dürfte aus Sicht Galys das Umfeld für risikoreiche Anlagen noch immer weitgehend günstig sein. Die Angst vor einer anhaltend hohen Inflation könne dies jedoch ändern. Sie dürfte zu Volatilitätsschüben und Phasen mit niedrigeren Wachstumserwartungen führen. "All dies spricht weiterhin dafür, unter anderem flexible Lösungen zu halten, die sich schnell an neue Umstände anpassen können", resümiere der Stratege. (01.07.2021/alc/a/a)