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Inflation höher als erwartet - Top-Ökonomen melden sich zu Wort


07.01.22 09:04
Der Aktionär

Kulmbach (www.anleihencheck.de) - Die Jahresinflation 2021 liegt bei 3,1%, das ist der höchster Stand seit fast 30 Jahren, so Tim Temp vom Anlegermagazin "Der Aktionär".

Das Leben in Deutschland habe sich im vergangenen Jahr sprunghaft verteuert. Kräftig gestiegene Energiepreise, Lieferengpässe sowie die Rücknahme der zeitweisen Mehrwertsteuersenkung hätten die Jahresinflation nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes immer weiter nach oben getrieben.

Die Verbraucherpreise hätten gegenüber dem Vorjahresmonat überraschend um 5,3% zugelegt, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag nach einer ersten Schätzung mitgeteilt habe. Einen stärkeren Anstieg der Verbraucherpreise habe die Wiesbadener Behörde im Jahresschnitt zuletzt 1993 mit damals 4,5% gemessen. Im Corona-Krisenjahr 2020 habe die Jahresteuerung noch bei 0,5% gelegen.

Eine höhere Inflation schwäche die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger kaufen könnten als zuvor. Besonders hart treffe es Ökonomen zufolge ärmere Haushalte, denn sie müssten einen großen Teil ihres Einkommens für lebensnotwendige Güter wie Wohnen oder Lebensmittel aufwenden.

Im Dezember 2021 seien die Verbraucherpreise der Schätzung zufolge zum Vorjahresmonat um 5,3% gestiegen, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag ebenfalls mitgeteilt habe. Eine höhere Teuerungsrate sei zuletzt im Juni 1992 mit damals 5,8% gemessen worden. Analysten seien vom erneuten Anstieg der Teuerung in Deutschland im Dezember überrascht worden. Sie hätten mit einem leichten Rückgang der Inflationsrate auf 5,1% gerechnet. Im November habe die Jahresrate bei 5,2% gelegen.

Nach Einschätzung von Ökonomen könnte es etwas länger dauern, ehe die relativ hohen Teuerungsraten wieder sinken würden. Sie würden auch im Gesamtjahr 2022 mit einer Drei vor dem Komma bei der Jahresinflationsrate rechnen. Zwar entfalle der Mehrwertsteuereffekt, Wirtschaftsforschungsinstitute wie das ifo-Institut und das Institut für Weltwirtschaft würden jedoch auf anhaltende Lieferengpässe verweisen, die Herstellungskosten erhöhen würden.

Auch der Energiepreisanstieg dürfte die Inflation zunächst weiter anheizen. "Die stark gestiegenen Erdgaspreise dürften aufgrund vielfach vorhandener langfristiger Verträge mit den Gasversorgern erst zu Beginn des Jahres 2022 die Verbraucher erreichen", argumentiere das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle.

Die Inflation sei der wichtigste Gradmesser für die Geldpolitik der EZB. Die Europäischen Zentralbank strebe für den Währungsraum der 19 Länder eine jährliche Teuerungsrate von 2% an und sei zumindest zeitweise bereit, ein moderates Über- oder Unterschreiten dieser Marke zu akzeptieren.

Auch nach Einschätzung der Währungshüter müssten die Verbraucher im Euroraum noch eine Weile mit höheren Teuerungsraten leben. Die Inflation werde eine gewisse Zeit lang hoch sein, aber im Laufe des Jahres 2022 zurückgehen, habe EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel jüngst in einem Interview gesagt: "Weniger sicher sind wir uns darüber, wie schnell und wie stark der Rückgang sein wird."

Michael Heise, Chefökonom HQ Trust habe ebenfalls die neusten Zahlen kommentiert: "Eine geldpolitische Wende wird angesichts dieser Zahlen dringlicher. Es ist zwar richtig, dass die Geldpolitik keine direkten Auswirkungen auf Energiepreise oder vorübergehende Preissteigerungen durch Angebotsengpässe hat, aber sie kann und sollte die mittelfristigen Preiserwartungen durch weniger Liquiditätszufuhr und Toleranz gegenüber leicht höheren Kapitalmarktrenditen stabilisieren. Sonst können sich inflationäre Prozesse verstärken."

(Mit Material von dpa-AFX) (07.01.2022/alc/a/a)