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Inflation bleibt das zentrale Thema


22.11.21 09:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach Europa und den USA präsentierte nun auch das Vereinigte Königreich seine aktuellen Inflationszahlen, so die Experten von Union Investment.

Wie sollte es anders sein, auch dort habe die Teuerung zuletzt weiter rasant zugenommen. Im Jahresvergleich seien die Preise um 4,2 Prozent und damit stärker als von jedem einzelnen Analysten erwartet gestiegen. Neben den hohen Energiepreisen seien die typischen Corona-Muster erkennbar gewesen, wonach die Preise für Neu- und Gebrauchtwagen stark angezogen hätten und für jene Güter, die von der Öffnung der Volkswirtschaften nach dem Lockdown besonders profitiert hätten.

Der starke Preisanstieg dürfte jenen Geldpolitikern in die Karten spielen, die sich innerhalb der Bank of England für eine baldige Zinserhöhung aussprechen würden. Auf dem letzten Treffen sei der Leitsatz noch unverändert geblieben. Eine Anhebung im Dezember sei nun wahrscheinlicher geworden, da neben den Inflationsdaten auch einige britische Wirtschaftsdaten in dieser Woche besser als erwartet ausgefallen seien. So würden höhere Einzelhandelsumsätze auf eine anziehende konjunkturelle Dynamik im vierten Quartal hindeuten. In Erwartung eines möglichen Zinsschritts habe das Britische Pfund gegenüber dem Großteil anderer Währungen aufgewertet.

Auch in den USA seien in den letzten Handelstagen über den Erwartungen der Analysten liegende Konjunkturdaten veröffentlicht worden. Regionale Frühindikatoren wie der Empire State und der Philadelphia FED-Index würden somit auf eine wirtschaftliche Belebung hindeuten. Gute Nachrichten seien zudem vom US-Arbeitsmarkt gekommen. Sowohl die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe als auch die Zahl der registrierten Arbeitslosen sei auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch der Corona-Krise gefallen.

Auch die Einzelhandelsumsätze hätten überzeugt, die im Monatsvergleich um 1,7 Prozent zugelegt hätten. Einen derart hohen Zuwachs habe selbst der optimistischste Analyst nicht prognostiziert. In das Bild hätten dann auch diverse Meldungen verschiedener US-Einzelhändler gepasst, die von einer starken Geschäftsentwicklung gesprochen hätten. So habe es nicht verwundert, dass auch in den USA die Zinserhöhungsfantasien der Marktteilnehmer weiter befeuert worden seien.

Neben den hohen Energiepreisen seien insbesondere die Probleme in den Lieferketten für die aktuellen starken Preissteigerungen verantwortlich. Zuletzt habe es hier erste vorsichtige Anzeichen für eine Entspannung gegeben. So seien die Frachtraten für die Containerschifffahrt etwas zurückgegangen und auch aus der Automobilbranche sei zu hören gewesen, dass es bei der Beschaffung von Halbleitern inzwischen weniger Probleme geben solle.

Besonders in Europa steige die Zahl der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus weiter sprunghaft an. Die Auswirkungen auf die Kapitalmärkte seien dabei bislang überschaubar geblieben. Zwar seien in einigen Ländern neue Beschränkungen notwendig gewesen, solange aber flächendeckende Lockdowns ausbleiben würden, die Geschäfte weiter öffnen dürfen und geimpfte Verbraucher weiterhin konsumieren dürften, sollten die wirtschaftlichen Auswirkungen im Rahmen bleiben. In Deutschland laufe die pandemische Lage Ende des Monats aus. Dann liege es im Ermessen der Länderchefs, welche Maßnahmen verhängt würden. Die Möglichkeiten seien dadurch zugleich eingeschränkt. So sei die Schließung von Restaurants oder Schulen dann nicht mehr möglich.

Die europäischen Gaspreise seien in der vergangenen Woche weiter angestiegen. Getrieben worden sei der Anstieg durch den Aufschub der zweiten Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2. Die Bundesnetzagentur habe den Zertifizierungsprozess und damit einhergehend die Inbetriebnahme der Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland gestoppt. Der höhere Gaspreis habe sich auch unmittelbar auf den Strompreis ausgewirkt, der in zweistelliger Höhe zugelegt habe. Mit dem Aufschub von Nord Stream 2 verzögere sich die erhoffte Entlastung der zuletzt stark gestiegenen Gaspreise. Russland habe auf die Verlangsamung der Inbetriebnahme gelassen reagiert. (Ausgabe vom 19.11.2021) (22.11.2021/alc/a/a)