Erweiterte Funktionen

Inflation ante portas


08.04.21 11:15
LOYS

Oldenburg (www.anleihencheck.de) - Klug beraten waren die Notenbanken, indem sie seit Monaten mit Gelassenheit suggerieren, ein deutliches Anziehen der Inflationsrate werde zukünftig akzeptiert und nicht bekämpft werden, so Dr. Christoph Bruns und Ufuk Boydak von LOYS.

Damit würden die Zentralbanker präventiv dem unweigerlich entstehenden öffentlichen Druck entgehen, der bei der Vermeldung deutlich angezogener Inflationsraten (März 1,7% in Deutschland!) auf sie einprasseln würde. Außerdem würden sie dem Finanzmarkt, an dessen gelindem Gepräge ihnen gelegen sei, erste Beruhigungspillen verabreichen.

Was aber sei eigentlich Inflation: Gemeint sei der Anstieg des allgemeinen Preisniveaus in einer Volkswirtschaft. Man könne sich unter Geldentwertung das Phänomen vorstellen, dass ein Bürger etwa in diesem Jahr weniger von den Gütern und Dienstleistungen kaufen könne, als er dies im Vorjahr noch mit dem gleichen Eurobetrag gekonnt habe. Sogleich sehe man, dass "Geldwertstabilität" ein sinnvolles anzustrebendes Ziel der Wirtschaftspolitik sein sollte.

Bis 2008 seien die großen Notenbanken der Welt einigermaßen geschlossen hinter dem Panier der Geldwertstabilität drein marschiert, wiewohl sie es so genau damit auch nicht immer genommen hätten. Seither, ausgelöst durch die große Finanzkrise, habe es eine Inversion dieser Marschrichtung gegeben. Heute sei es unausgesprochenes Ziel der Notenbanken, Geldentwertung zu erzeugen, was sich u.a. in Nullzinspolitiken, beispiellosen Anleihekaufprogrammen und einer grandiosen Ausweitung der Geldmenge manifestiere.

Schließlich liege in der Inflation auch der einzig praktikable Weg, die Staatsverschuldungen real abzubauen. Denn es dürfe wohl als gesicherte Erkenntnis gewertet werden, dass Staaten nicht sparen könnten, und zwar völlig unabhängig von der jeweiligen politischen Couleur. Auch in der Bundesrepublik habe die jährliche Staatsverschuldung ungeachtet der schwarzen Nullen in den vergangenen Jahrzehnte nur einen Weg gekannt: Nach oben!

Insofern sei die Vorgehensweise der Zentralbanken nachvollziehbar und entspreche ihrer neuen Rolle als Krisenbekämpfer- und Staatsfinanzierer. Von Unabhängigkeit der Notenbanken zu sprechen, komme ernst zu nehmenden Beobachtern schon lange nicht mehr in den Sinn.

Eine in diesem Zusammenhang zunehmend bedeutsame Frage müsse ebenfalls gestellt werden: Solle die Inflation noch durch staatliche Stellen gemessen werden, oder seien die staatlichen Institutionen mittlerweile zu befangen, um die Entwicklung der Inflation wahrheitsgemäß zu berichten? Der Boom bei alternativen Währungen (Stichwort Kryptowährungen) deute ein steigendes Misstrauen gegenüber staatlicher Währungs- und Inflationssteuerung an.

Wie sehe es aber für den Anleger aus? Könne er der steigenden Geldentwertung ebenso gelassen entgegenblicken, wie es die staatlichen Institutionen öffentlich zur Schau stellen würden? Leider hätten Kapitalanleger nicht den Luxus, allgemeine Anhebungen des Preisniveaus als temporäre und lässliche Bagatellen abzutun.

Vielmehr sei jeder einzelne Bürger, der am Wirtschaftsleben teilnehme, der Geldentwertung mehr oder weniger stark ausgesetzt. John Maynard Keynes habe bereits vor ca. einhundert Jahren darauf hingewiesen, dass Inflation dem Staat erlaube, einen Teil des Vermögens seiner Bürger ganz unbeobachtet, heimlich und legal zu konfiszieren. Der nicht minder bedeutsame amerikanische Ökonom Milton Friedman habe Inflation weiland mit einer zusätzlichen Steuer verglichen, die den Bürgern auferlegt werde.

Für die Kapitalanleger lege ein Aufblühen der Geldentwertung die Abkehr von Nominalwerten nahe. Der seit Monaten zu beobachtende Trend zu Sachwerten dürfte sich weiter beschleunigen, desto sichtbarer die Inflation ihr hässliches Haupt nach oben recke. Die Aktienmärkte und mit ihnen die LOYS-Fonds dürften weiterhin zu den Profiteuren dieser Entwicklung zählen. (Ausgabe vom 31.03.2021) (08.04.2021/alc/a/a)