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Inflation: Und wenn sie doch (nicht) kommt?


05.02.21 08:30
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Fast unbemerkt bei all der medialen Omnipräsenz der Corona-Pandemie rückt derzeit an den Finanzmärkten das Thema Inflation in den Fokus, so die Analysten der DekaBank.

Die deutsche Inflationsrate für Januar sei ein echter Hingucker gewesen. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex habe im Dezember noch bei -0,7% gegenüber dem Vorjahr gelegen. Ein Anstieg über Null sei aufgrund der gestiegenen Rohölpreise, der Anhebung des Mehrwertsteuersatzes und der Einführung der CO2-Abgabe allseits erwartet worden. Doch dann sei für Januar ein überraschend starkes Plus von 1,6% gemeldet worden. Schlagartig habe an den Märkten und bei den Analysten die Rückkehr der Inflation die Runde gemacht. Bei der hohen Verschuldung von Staaten und Unternehmen in Verbindung mit der jahrelangen Niedrigstzinspolitik der Notenbanken schien es ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis sich die erheblich angestiegenen Geldmengen Bahn brechen und einen Inflationsschub auslösen, so die Analysten der DekaBank. Diese Argumentationslinie klinge schlüssig, wo doch bekanntlich Inflation letzten Endes ein monetäres Phänomen sei.

So schlüssig sich das anhöre - die jetzigen Zahlen erkläre es nicht. Denn im Januar haben wir es mit zahlreichen Sondereffekten zu tun, so die Analysten der DekaBank. Diese Welle an Preisanhebungen werde nach Einschätzung der Analysten der DekaBank im Herbst ausrollen, selbst wenn in den kommenden Monaten nach der "Wiedereröffnung" der Wirtschaft etwa die Restaurantpreise ebenfalls einmalig ansteigen dürften. Denn auch die preisdämpfenden Wirkungen der Corona-Pandemie würden nachwirken. Sie führe zu unterausgelasteten Kapazitäten, zu erhöhter Arbeitslosigkeit, zu schwachen Lohnsteigerungen und zu aufgeschobenen Unternehmensinvestitionen. Nach dem Rezessionsjahr 2020 würden die Volkswirtschaften in diesem und im nächsten Jahr noch unterausgelastet sein und in einem solchen Umfeld habe es die Inflation schwer. Trotzdem bleibe die Preisentwicklung natürlich auf der Beobachtungsliste.

So würden die Analysten der DekaBank insbesondere für Deutschland aufgrund dieser Sondereffekte für die kommenden Monate zunächst noch weiter steigende Inflationsraten erwarten. Die Verzerrungen bei Preisen von frischen Lebensmitteln und beim vorgezogenen Online-Winterschlussverkauf hätten wohl nur im Januar gewirkt. Für das ganze Jahr 2021 würden jedoch die Benzinpreiseffekte wegen der CO2-Abgabe, die wieder erhöhte Mehrwertsteuer, neue Gewichtungen im Warenkorb und Preiserhöhungen bei Dienstleistungen die Teuerung hoch halten.

Um all diese - zum Teil auch in den anderen Euro-Ländern - temporär wirkenden Effekte wisse die Europäische Zentralbank, sodass hieraus kein Politikwechsel ableitbar sei: Sie bleibe bei ihren Anleihekäufen und die Analysten der DekaBank würden bei ihrer Prognose der ersten Leitzinserhöhung im Jahr 2026 bleiben. Durch Einmaleffekte würden Notenbanken durchschauen. Das gelte auch für die US-Notenbank FED, wenn im vorbereiteten Konjunkturpaket der Regierung Biden ein großer Anteil von Einmalzahlungen an die privaten Haushalte erfolge. So komme kein dauerhafter Inflationsschub zustande, mithin würden die Notenbanken die Aktien- und Rentenmärkte auch nicht entscheidend ausbremsen. (Ausgabe Februar 2021) (05.02.2021/alc/a/a)