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Inflation, Inflation, Inflation


08.06.21 08:30
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Tagtäglich sind die Nachrichten voll von unterschiedlichsten Themen, manche sind wichtiger, manche weniger wichtig, so die Analysten der DekaBank.

Aus deren Vielzahl würden die Analysten der DekaBank zur Jahresmitte 2021 eine makroökonomische Größe besonders hervorheben und ihr die maßgebliche Rolle zu bei ihrem aktuellen Konjunktur- und Kapitalmarktausblick weisen: Die Inflation.

Angesichts des derzeitigen deutlichen Anstiegs der Inflationsraten wie auch der Inflationserwartungen laute in diesen Tagen die Gretchenfrage: Sei dies nur ein vorübergehendes Phänomen, oder drohe im Zuge der stark expansiven Geld- und Finanzpolitik die Gefahr von längerfristig spürbar höheren Inflationsraten? Uns versetzt der aktuelle Inflationsanstieg aus zweierlei Gründen nur in höhere Wachsamkeit, nicht jedoch in übermäßige Sorge, so die Analysten der DekaBank.

Es sei nämlich die Corona-Krise, die vieles durcheinandergewirbelt habe und die für zeitlich befristete stärkere Preisanstiege sorge. So würden die Energiepreise zurzeit im Vorjahresvergleich ein zweistelliges Plus verzeichnen. Sie seien vor einem Jahr wegen des Corona-bedingten Stillstands regelrecht eingebrochen. Jetzt seien sie wieder auf "normalen" Niveaus und die betreffenden Jahresveränderungsraten deshalb im Höhenflug. Speziell in Deutschland kämen noch zwei Themen dazu: Die zwischenzeitliche Mehrwertsteuersenkung im zweiten Halbjahr 2020 sorge hierzulande im Jahr 2021 für weitere Inflationssprünge und auch die CO2-Steuer habe zum Jahresbeginn die Preise für Treibstoff und Heizung kräftig steigen lassen.

Preisauftrieb komme weltweit zudem von den kurzzeitigen logistischen Engpässen im Welthandel. Es sei zwar recht einfach, eine Wirtschaft (per Lockdown) herunterzufahren. Eine ungleich komplexere Aufgabe sei es dagegen, die Volkswirtschaften wieder hochzufahren. Die Zahnrädchen des Lieferketten-Uhrwerks müssten wieder ins Laufen kommen und neu ineinandergreifen. Das brauche Zeit und bringe für eine Weile gewisse Lieferengpässe. Die rohstoffintensiven Industriebereiche würden boomen und die durch die Corona-Rezession aufgestaute Nachfrage entlade sich dynamisch. Deshalb würden die Rohstoffpreise kräftig steigen und die Unternehmen müssten für Vorleistungsgüter deutlich mehr bezahlen. All diese Sondereffekte würden weitgehend bis Anfang des Jahres 2022 verschwinden. Dann dürften die Inflationsraten insbesondere in Europa erneut deutlich sinken.

Und so würden die Finanzmarktteilnehmer auf sämtliche Inflationssignale lauschen - und auf die Kommentare aus den Notenbanken. In den kommenden Monaten sei damit zu rechnen, dass das Szenario nur vorübergehend erhöhter Inflationsraten immer wieder in Zweifel gezogen werde. Dann werde die Furcht vor einer frühzeitigen schnellen Straffung der Geldpolitik möglicherweise für kurze Zeit die Börsen belasten und zu Marktkorrekturen führen. Doch der Aktienmarktausblick für die kommenden Jahre bleibe konstruktiv, weil die Inflationssorgen verschwinden würden, die geldpolitische Unterstützung aber noch für sehr lange Zeit bleiben werde. (Ausgabe Juni 2021) (08.06.2021/alc/a/a)