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Inflation in Eurozone könnte weiter ansteigen


08.02.21 11:45
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Die Verbraucherpreisinflation in der Eurozone ist im Januar um 0,9% gegenüber dem Vorjahr gestiegen, so die Experten von NN Investment Partners.

Dies stelle eine deutliche Veränderung gegenüber den Rückgängen der letzten Monate dar und könnte den Beginn eines anhaltenden Anstiegs der Inflation einläuten. Mehrere Sondereffekte und Basiseffekte hätten zu dem Anstieg beigetragen, würden aber nicht den gesamten Anstieg erklären, der viel größer gewesen sei als erwartet. NN Investment Partners (NN IP) rechne in den kommenden Monaten mit einer Volatilität der Inflationsrate, da Sondereffekte weiterhin wirken würden. Auch ein nachhaltiger Anstieg der Inflation könnte sich abzeichnen, der durch geld- und fiskalpolitische Maßnahmen unterstützt werde.

Nach einem deutlichen Rückgang der Inflationsrate in der Eurozone im vergangenen Jahr - die Verbraucherpreisinflation sei in den letzten Monaten des Jahres 2020 auf -0,3% gesunken - sei die Inflationsrate im Januar auf 0,9% angestiegen. Der Anstieg sei nicht völlig unerwartet gekommen, da mehrere Sondereffekte als Auslöser für einen Inflationsanstieg erwartet worden seien. Dazu hätten das Ende der Mehrwertsteuersenkung sowie die Einführung einer CO2-Steuer in Deutschland, eine Verschiebung der französischen Schlussverkaufssaison, die sich in positiven Basiseffekten niedergeschlagen habe, und eine Neugewichtung des Index gehört, die die Gewichtung der Titel reduziert habe, die dazu neigen würden, im Januar besonders stark zu fallen.

Dennoch würden diese Faktoren nicht die Höhe des Anstiegs erklären. "Der sprunghafte Anstieg des Verbraucherpreisindexes ist ein deutlicher Schritt von der Deflation zur Inflation, den wir nicht nur auf Sonder- und Basiseffekte zurückführen können", sage Jaco Rouw, Senior Portfolio Manager Fixed Income bei NN IP. "Die Inflation hat viel stärker zugenommen als erwartet, was darauf hindeutet, dass die bekannten Sondereffekte nicht die alleinigen Verursacher waren. Es ist möglich, dass höhere Frachtkosten und Unterbrechungen der Lieferkette ebenfalls eine Rolle gespielt haben."

Die Sondereffekte dürften in den kommenden Monaten zu einer erheblichen Volatilität der Inflationsrate in der Eurozone führen. Die Gesamtinflation könnte zunächst weiter ansteigen und im weiteren Jahresverlauf sogar 2% erreichen, was unter anderem auf Sonder- und Basiseffekte zurückzuführen sei. Im nächsten Jahr werde die Inflation wahrscheinlich auf etwa 1% zurückgehen, wenn die meisten Basiseffekte im Jahresvergleich wegfallen würden. NN IP sehe jedoch noch andere Faktoren, die einen längerfristigen Anstieg der Inflation bewirken könnten, wie z. B. die akkommodierende Geldpolitik und die umfangreiche und aufeinander abgestimmte fiskalpolitische Reaktion der Eurozone auf das Coronavirus.

"Die über den Erwartungen liegende Inflationsrate im Januar passt zu der nicht endenden Story eines strukturellen Inflationsanstiegs", füge Rouw hinzu. "Auch die Finanzmärkte scheinen diesen anhaltenden Anstieg teilweise einzupreisen, da die auf Euro lautende Break-Even-Inflation über zehn Jahre auf über das Vor-Corona-Niveau gestiegen ist."

Sollte die Inflation die Erwartungen dauerhaft übertreffen, hätte dies positive Auswirkungen auf inflationsgebundene Staatsanleihen, da der Coupon und die Tilgung an den Inflationsindex der Eurozone gekoppelt seien. Im Gegensatz dazu würden sich nominale Staatsanleihen wahrscheinlich unterdurchschnittlich entwickeln. "'Linkers' würden besonders gut abschneiden, sollte die EZB die Leitzinsen unverändert auf niedrigem Niveau belassen - was am wahrscheinlichsten erscheint", kommentiere Rouw. "Dies würde wahrscheinlich den Anstieg der realen Renditen begrenzen." (08.02.2021/alc/a/a)