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Inflation in Deutschland legt weiter zu


07.06.21 13:04
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Preissteigerung sowohl in Deutschland als auch im gesamten Euroraum setzt sich fort, so die Experten von Union Investment.

Die Anstiege würden auf vorübergehenden Effekten basieren: So hätten Sonderfaktoren wie Corona-bedingte Verzerrungen oder die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung entsprechenden Einfluss auf die Preisentwicklung gehabt. Deshalb würden die Experten nach einem weiteren erwarteten höheren Anstieg ab 2022 mit rückläufigen Raten knapp unterhalb des Zielwertes der EZB von um die zwei Prozent rechnen.

Die Aktienbörsen hätten sich entsprechend unbeeindruckt gezeigt, DAX 30, MDAX und Co. hätten in der Berichtswoche zwischenzeitlich neue Hochs erreicht. Die Staatsanleihemärkte hätten sich verhalten entwickelt, die US-Renditen seien ein wenig angestiegen. Der Konjunkturoptimismus habe die Notierung für das Barrel Öl der Sorte Brent auf 72 US-Dollar und damit auf ein Dreimonatshoch steigen lassen.

Die Inflation in Deutschland habe im Mai weiter zugelegt und im Monatsvergleich um 0,3 Prozent angezogen. Dies entspreche einer Jahresrate von 2,4 Prozent (EU-harmonisiert). Doch übergroße Sorge sei fehl am Platz. Die höheren Preise würden nur zeigen, dass das Geld bei den Konsumenten wieder locker sitze und sich die Nachfrage derzeit schneller als das Angebot belebe.

Auch sollten die monatlichen Wasserstandsmeldungen nicht überinterpretiert werden. Die Inflation werde durch die Corona-Folgen wohl noch länger verzerrt bleiben. Im Herbst dürfte bei knapp vier Prozent der Höhepunkt der Teuerung erreicht sein. Die Ursache dafür seien einerseits die gestiegenen Energiepreise. Andererseits falle dann zudem der Effekt der reduzierten Mehrwertsteuer aus dem zweiten Halbjahr 2020 ins Gewicht. Diese und weitere Faktoren würden aber in der ersten Hälfte 2022 auslaufen. Die Experten würden dann eine deutlich niedrigere Inflationsrate erwarten, die sich dann auf dem Niveau unterhalb des Ziels der Europäischen Zentralbank (EZB), das bei knapp zwei Prozent liege, dann befinden dürfte.

Somit könne die EZB auf ihrer nächsten Ratssitzung am 10. Juni gelassen bleiben. Die Experten würden erwarten, dass diese den mittelfristigen Inflationsausblick weitgehend unverändert lasse, aber nach wie vor auf Konjunkturrisiken hinweise.

Die Zentralbank werde daher darauf hinwirken, die Finanzierungsbedingungen weiterhin günstig zu gestalten. Ob dies mit einem etwas langsameren - oder einem unwahrscheinlich schnelleren - Tempo bei den Anleihekäufen einhergehe als bisher, werde die EZB von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung und dem Inflationsausblick abhängig machen. Damit halte sie sich alle Möglichkeiten für die kommenden Monate offen. Darüber hinaus könne sie deutlich machen, dass ein eventuell gedrosseltes Tempo der Anleihekäufe in den nächsten Monaten nicht mit einem sogenannten Tapering - der schrittweisen Drosselung der Anleihekäufe auf null - misszuverstehen sei. Im Euroraum sei die Inflationsrate im Mai von 1,6 auf 2,0 Prozent gestiegen und habe damit etwas über dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (unter bzw. nahe 2,0 Prozent) gelegen. (Ausgabe vom 04.06.2021) (07.06.2021/alc/a/a)