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Inflation: Beruhigung absehbar, aber es lauern Risiken


08.10.21 13:30
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Über viele Jahre hinweg spielte die Entwicklung der Verbraucherpreise kaum eine Rolle in unserem täglichen Leben, so die Analysten der DekaBank.

Inflation sei kein Thema gewesen. Dies habe sich zuletzt geändert. Tanken und Heizen seien spürbar teurer geworden, beim Einkauf im Supermarkt würden höhere Beträge fällig, die Bahn passe die Ticketpreise nach oben an - kurzum, in der Öffentlichkeit und in der Politik werde zunehmend mit Sorgenfalten auf die Preisentwicklung geschaut. Die Analysten der DekaBank stellen sich die Frage, ob wir vor einem beängstigenden Anspringen der Inflation stünden und ob wir für den Rest der Zwanzigerjahre mit schmerzhaften Kaufkraftverlusten rechnen müssten.

Die Analysten würden zwar zunehmend auf die gestiegene Unsicherheit hinweisen. Doch für die Reaktion der Finanzmärkte auf die Inflationssorgen seien weniger die Analysten als vielmehr die Notenbanken und ihre Inflationseinschätzungen maßgeblich. Und diese würden an ihrer Einschätzung festhalten, dass die aktuell hohen Inflationsraten in erster Linie die Folge von Basis- und Sondereffekten und deshalb vorübergehender Natur seien. Diese Effekte sollten im kommenden Jahr sukzessive auslaufen. Mithin sähen die Notenbanken mittelfristig wieder wesentlich moderatere Preissteigerungen, sodass keinerlei Eile geboten zu sein scheine, die ultra-lockere Geldpolitik rasch aufzugeben und die monetären Zügel spürbar zu straffen.

Im Lichte der jüngsten Konjunktur- und Preisdaten würden die Analysten der DekaBank weiterhin davon ausgehen, dass die aktuelle Welle von höheren Inflationsraten wieder abebben werde, selbst wenn es noch eine Weile dauern könnte. Eine echte Inflationswelle mit dauerhaft hohen Raten würden die Analysten der DekaBank nicht erwarten. Letzteres stehe in ihrem Risikoszenario. Für eine Inflationswelle bräuchte es Strukturbrüche, die grundsätzlicher und anhaltender wären, als es die wirtschaftlichen Verwerfungen von Angebot und Nachfrage in Form von Liefer- und Transportengpässen im Zuge der Corona-Pandemie seien. So bedürfte es etwa lang anhaltender Engpässe am Arbeitsmarkt, die wiederholte Lohnanpassungen nach oben nach sich ziehen würden. Auch Preiserhöhungen von Unternehmen müssten regelmäßig stattfänden, um eine Preis-Lohn- Spirale zu nähren - was nur bei deutlich geringer ausgeprägtem globalem Wettbewerb funktionieren würde.

Deutlich wahrscheinlicher sei es aus Sicht der Analysten der DekaBank, dass in den kommenden Quartalen aufgrund der derzeit zu beobachtenden Preissteigerungen das Angebot stärker ausgeweitet werde und damit die gestiegene Nachfrage wieder bedient werden könne. Sowohl der Wettbewerbsdruck als auch der technische Fortschritt dürften weiterhin dafür sorgen, dass die Finanzmärkte auf eine Moderierung der Inflationsdynamik vertrauen würden. Vor diesem Hintergrund ändere sich aus Anlegersicht wenig: Die zinsarmen Zeiten würden erhalten bleiben, wohingegen die günstigen Finanzierungsbedingungen den konjunkturellen Aufholprozess weiter unterstützen würden. Auch wenn es in den kommenden Wochen an den Märkten ruckeliger werden könnte, bleibe die Perspektive für die Aktienmärkte konstruktiv. (Ausgabe Oktober 2021) (08.10.2021/alc/a/a)