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Inflation im Aufwärtstrend


04.06.21 10:15
UBS Asset Management

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - "Zum ersten Mal seit zehn Jahren sehen wir eher einen Aufwärts- als einen Abwärtstrend bei der Inflation. Aktuell gilt es zu handeln, auch für Investoren, die den Preisdruck nur als ein vorübergehendes Momentum sehen. Wichtiger denn je ist jetzt ein angemessenes Risikomanagement, das die Portfolios auf eine potenzielle Veränderung in der Anlagelandschaft vorbereitet", sagt Beate Meyer, Head of Wholesale, UBS Asset Management Deutschland.

Die derzeitige Inflationsdynamik könnten Investoren nicht ignorieren. Sie beruhe vor allem auf pandemiebedingten Basiseffekten, die nun mit der Wiedereröffnung der Wirtschaft zum Tragen kämen. "Neben diesen temporären Auswirkungen gibt es aber weitere Inflationstreiber, die länger anhalten können. Zum Beispiel kann die Angebotsverknappung bei Industriemetallen nicht so schnell aufgelöst werden", erläutere Evan Brown, Head of Multi-Asset Strategy bei UBS Asset Management. Auch die Geld- und Fiskalpolitik könne zu zyklischem oder gar strukturellem Preisdruck führen.

Die Unsicherheit darüber, ob die höheren Inflationszahlen im nächsten Jahr erhalten bleiben würden, dürfte in den kommenden Monaten immer wieder Volatilität quer durch die Anlageklassen entfachen. Mit steigenden Leitzinsen rechne Brown jedoch nicht: "Die höheren Inflationsraten in diesem Jahr werden nicht die geduldige, strukturell taubenhafte Reaktionsfunktion der US-Notenbank Fed bei ihrer Zinspolitik gefährden."

Investoren dürften weniger Geduld zeigen und reagieren. Brown rechne damit, dass Anleger Kapital aus stark zinssensitiven Anlagen wie Wachstumsaktien oder langfristigen Staatsanleihen umlenken in Investments, die von der aktuellen kräftigen Wirtschaftsaktivität profitieren würden. "Als Folge erwarten wir einen sich weiter abschwächenden US-Dollar, vor allem gegenüber einigen Emerging-Markets-Währungen", sage Brown. Zudem dürften die Zinsstrukturkurven in den Industrieländern steiler werden, die Renditen langfristiger Anleihen steigen. Auf der Aktienseite seien prozyklische Relative-Value-Positionen interessant mit Fokus auf frühzyklische europäische Märkte, Japan, den Emerging Markets außer China und Value-Titeln.

Value-Aktien gegen den MSCI World sowie der S&P 500 Equal Weight gegen den S&P 500 seien zwei von Browns favorisierten Relative-Value-Trades. Bei diesen Positionen sei die Korrelation zu langfristigen US-Anleiheindices in diesem Jahr negativ geblieben, während langfristige US-Staatsanleihen und globale Aktien gerade erst kürzlich positiv korreliert hätten. Brown: "Staatsanleihen bieten für bestimmte Aktiensegmente keine gute Absicherung gegen das Risiko höherer Inflationszahlen. Vor allem Wachstumsunternehmen aus den USA und China, die eine strake Gewichtung in globalen Aktienindizes haben, könnten betroffen sein." (04.06.2021/alc/a/a)