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Inflation: Alles kein Problem?


01.02.21 11:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Erwartungsgemäß kam es im Januar zu einem spürbaren Anstieg der Inflation, so Ulf Krauss von der Helaba.

In Deutschland seien die harmonisierten Verbraucherpreise im Vorjahresvergleich von -0,7% auf beachtliche 1,6% geklettert. Die Anleger am Rentenmarkt hätten auf diese Entwicklung bislang gelassen reagiert. Die Rendite 10-jähriger Bunds habe im Bereich um -0,5% verharrt. In den kommenden Monaten ist aufgrund von Basiseffekten mit einer weiter steigenden Teuerung zu rechnen, sodass uns das Thema Inflation erhalten bleibt, so die Analysten der Helaba.

Die Wahrscheinlichkeit nehme zu, dass die Kurse von Rentenpapieren letztlich doch eine Reaktion zeigen würden, zumal das Geldmengenwachstum im Euroraum dynamisch verlaufe. Die Vorjahresrate der Geldmenge M1 habe mit 15,6% zuletzt ein historisches Hoch markiert. Noch liege die Korrelation zwischen der Veränderung der Inflationserwartungen und der Veränderung der Bund-Rendite bei -0,6%. Normal sei hier aber ein positiver Zusammenhang: Die Aussicht auf höhere Inflation lasse eine geldpolitische Straffung erwarten und die Rendite steige.

Die Glieder dieser Wirkungskette würden offenbar nur noch lose zusammenhängen. In den letzten Jahren habe die EZB lediglich auf mögliche Deflationsrisiken reagiert und in der Pandemiezeit als Rettungstrupp für Unternehmen, Staaten und Kapitalmärkte agiert. Die Kaufprogramme, ursprünglich als Instrument zur Stimulierung der Inflation und Vehikel zur Erreichung des EZB-Inflationsziels von knapp 2% eingeführt, hätten mittlerweile ganz andere Aufgaben übernommen.

Das Anlegerverhalten basiere stark auf adaptiven Erwartungen. Anleiheinvestoren hätten in den letzten Jahren vor allem zwei Erfahrungen gemacht: Inflation sei weit und breit, zumindest in den üblichen statistischen Abgrenzungen, nicht zu sehen gewesen. Die Reaktionsfunktion der Notenbanken habe sich nach der Finanz- und Staatsschuldenkrise verändert. So dürfte der EZB der Zusammenhalt der Währungsunion im Zweifelsfall wichtiger sein als das Inflationsmandat. Ganz so großen Zwängen sei die FED nicht ausgesetzt. Vermutlich sei daher die Inflationserwartung/Rendite-Korrelation in den USA noch positiv. Damit lasse sich ein Teil des jüngsten deutlichen Renditeanstiegs erklären, denn die Inflationserwartungen hätten dort ebenfalls angezogen.

Ein anderer Impuls sei durch das neue Konjunkturpaket sowie die Ankündigung weiterer gewaltiger Ausgabenprogramme gekommen. In Verbindung mit höheren US-Wachstumsprognosen würden die Analysten der Helaba daher die Rendite 10-jähriger US-Treasuries für das erste Quartal von 0,75% auf 1,0% ändern. Die Prognose für 10-jährige Bunds bleibe hingegen bei -0,4%. Darin spiegele sich eine moderate Reaktion auf wieder verbesserte Konjunkturerwartungen und ein höheres Inflationsniveau wider. Die Pandemie werde früher oder später überwunden und die EZB wolle offenbar ihr "Kerngeschäft" nicht aus den Augen verlieren. Darauf deute zumindest die jüngste Aussage von EZB-Direktorin Isabel Schnabel hin: "Die Inflation ist nicht tot". (Ausgabe vom 29.01.2021) (01.02.2021/alc/a/a)