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Infektionsgeschehen bremst erneut Wirtschaftsentwicklung


19.11.21 12:37
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Nachdem über viele Monate das Thema Covid-19 in den Hintergrund gerückt war, ist es aktuell wieder zurück auf den Spitzenplätzen der Nachrichten, so Daniel Schär, CFA bei der Weberbank.

Die Kapitalmärkte würden bisher weitestgehend diesen Trend ignorieren. Die Beschlüsse des jüngst beendeten Klimagipfels COP26 in Glasgow hätten nur kurz im Mittelpunkt gestanden, obwohl die langfristigen Auswirkungen auf alle Bereiche der Gesellschaft immens seien.

Die Covid-19-Neuinfektionszahlen würden in weiten Teilen Europas erneut deutlich ansteigen, und neben Impfungen würden auch Kontaktbeschränkungen in den kommenden Wochen wieder zunehmen, um die Pandemie erneut unter Kontrolle zu bekommen. So wie in der beliebten Harry-Potter-Saga der Name "Voldemort" im Sprachgebrauch vermieden werde, so versuche die Politik die Reizworte "Lockdown" und "Impfpflicht" möglichst nicht zu verwenden. Das zögerliche Handeln werde nun vor allem den Dienstleistungssektor belasten und das Weihnachtsgeschäft abschwächen. Gepaart mit den Lieferengpässen im Verarbeitenden Gewerbe sei für die kommenden Monate eine Stagnation der Wirtschaft wahrscheinlicher geworden.

Die Kapitalmärkte würden sich bisher relativ unbeeindruckt von der neuen europäischen Infektionswelle zeigen. Blicke man auf die Aktienmarktentwicklung, so könnte 2021 tatsächlich das beste Aktienjahr seit dem Jahr 1999 werden. Damals sei auf die große Börsenparty in den Folgejahren die Katerstimmung gefolgt. So weit würden die Analysten aktuell nicht gehen wollen, jedoch hätten die Liquiditätsströme der Notenbanken und Staaten sowie das Fehlen von Anlagealternativen eine gewisse Atmosphäre der Sorglosigkeit geschaffen. Wenn neu an die Börse kommende Elektroautopioniere ohne nennenswerte Produktionszahlen aus dem Stand mehr Wert seien als die großen traditionellen amerikanischen Autobauer und einige Technologieunternehmen innerhalb eines Monats um 40 Prozent und mehr steigen würden, so deute das auf mögliche Fehlentwicklungen hin.

Risiken wie die Inflations- oder die Gaspreisentwicklung würden aktuell in Augen der Analysten nur gering wahrgenommen. Man würde sich wohler fühlen, wenn die Börsen die beliebte Jahresendrally in diesem Jahr ausfallen lassen würden und stattdessen eine Konsolidierung vollziehen würden. Trotz einer gewissen kurzfristigen Skepsis seien die Analysten für das kommende Jahr jedoch aufgrund der prall gefüllten Auftragsbücher der Unternehmen, der hohen Gewinnmargen und der guten Aussichten für die Weltwirtschaft positiv für Aktien gestimmt.

Am vergangenen Wochenende habe der Klimagipfel COP26 in Glasgow geendet. Als Vertreter der internationalen Staatengemeinschaft hätten zwei Wochen lang 40.000 Teilnehmer um Fortschritte beim Klimaschutz gerungen. Der dringende Handlungsbedarf sei mittlerweile klar erkannt, leider hätten jedoch nationale Einzelinteressen und Sichtweisen einen großen Wurf behindert. Wichtige Entscheidungen wie der Kohleausstieg oder der Abschied vom Verbrennungsmotor seien zwar mehrheitsfähig gewesen, seien jedoch nicht von allen Teilnehmern mitgetragen worden. Es gebe somit Hoffnung für das Weltklima, da insgesamt wichtige Fortschritte erzielt worden seien.

Leider sei das aber nicht genug. Das gemeinsame Ziel, die Erderwärmung bei 1,5 Grad Celius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu stoppen, sei in weiter Ferne. Aktuell sei eine Erwärmung von 2,7 Grad Celsius wahrscheinlicher, wie aus dem jüngsten UN-Klimabericht hervorgehe. Nur ca. 10 Prozent der börsennotierten Unternehmen weltweit seien derzeit auf dem international angestrebten Zielpfad unterwegs. Eine erschütternde Bilanz, die offenlege, dass Unternehmen und Staaten vor gewaltigen Herausforderungen stünden. Bleibe es dabei, würden die wirtschaftlichen und humanitären Folgen in einigen Jahrzehnten gravierend ausfallen. Auch der Finanzsektor sei aufgerufen, seinen Beitrag zu leisten. Unternehmen, die sich nicht wandeln würden, werde es künftig schwerer fallen, Investorengelder einzusammeln und Kredite von Banken zu erhalten.

Die Weberbank sei seit mehr als 14 Jahren im Bereich nachhaltiger Geldanlagen aktiv und habe die UN-Richtlinien für Nachhaltiges Investieren unterzeichnet. Ihre nachhaltigen Vermögensverwaltungsprodukte würden einen deutlich geringeren CO2-Fußabdruck ausweisen als vergleichbare Indexinvestments. (19.11.2021/alc/a/a)