Erweiterte Funktionen

Infektion und Inflation bleiben die vorherrschenden Themen


14.01.22 10:00
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Infektion und Inflation bleiben die vorherrschenden Themen an den Finanzmärkten, so die Analysten der Helaba.

In beiden Fällen sei die Dynamik hoch, sogar erschreckend hoch: Aufgrund der raschen Ausbreitung der Omikron-Variante würden sich die Infektionsraten in vielen Ländern auf Höchstwerten befinden, aus Deutschland werde eine 7-Tage Rekordinzidenz von 471 gemeldet. Der Gipfel scheine noch nicht erreicht. Dennoch habe Omikron für die Anleger an Schrecken verloren. Die Virusvariante sei ansteckender, aber milder im Verlauf und biete im Jahresverlauf die Chance, in eine endemische Lage überzugehen. Folglich dürften sich die konjunkturellen Belastungen in Grenzen halten.

Dies spiegele der Ölpreis mit einem Wochenplus von 3% wider. Der DAX habe zumindest temporär den Sprung über 16.000 Punkte geschafft, und das trotz des Gegenwinds von Seiten der Inflation. Denn auch die rekordhohe US-Inflation von zuletzt 7% - so hoch wie zuletzt vor 40 Jahren - habe zwar eine verschärfte Rhetorik der Geldpolitiker ausgelöst, die aber nicht zu größerer Unruhe bei Aktien oder Renten geführt habe. Die FED habe nun ihre Bereitschaft zu mehr Zinsschritten signalisiert. Dennoch habe es auf Wochensicht kleine Kursgewinne für Renten dies- und jenseits des Atlantiks gegeben. Der US-Dollar habe von der geschürten Zinsfantasie nicht profitieren können, der Euro habe sogar ein deutliches Wochenplus gegenüber dem Greenback verzeichnet.

Dabei sei das Thema Inflationsschutz für Investoren mit dem grundsätzlichen Bekenntnis der Geldpolitik noch nicht abgehakt. Das zeige ein Blick auf den Goldpreis, der in der ablaufenden Handelswoche den Sprung über die Marke von 1.800 USD/Unze geschafft, und damit das stärkste Wochenplus seit Mitte November erreicht habe. Geholfen habe hier sicherlich die heftige Korrektur von Bitcoin seit Jahresbeginn.

Könne sich in der Berichtswoche der Trend der allgemeinen Erleichterung fortsetzen? Das dürfte primär vom Infektionsgeschehen vorgegeben werden. In Ländern mit hohen Impfquoten wie Spanien und Großbritannien zeichne sich ein Strategiewechsel in der Pandemiebekämpfung ab. In Großbritannien scheine der Wechsel in Richtung "Durchseuchung" aufzugehen: Die Infektionsraten würden zurückgehen, das Land wurschtele sich durch die Krankheitswelle. Die deutsche Politik habe dieser Strategie aufgrund der geringeren Impfquote aber eine Absage erteilt. Hierzulande laufe es auf stärkere Einschränkungen hinaus, die auch die Wirtschaft treffen würden. Das zeige sich im BIP-Wachstum Deutschlands (s.u.) im vergangenen Jahr mit 2,7%, was den Corona-Einbruch nicht habe ausgleichen können.

Im äußersten "Team Vorsicht" sei immer noch China, das weiterhin auf Null-Covid setze. Diese Strategie koste Wachstum. In der Berichtswoche würden Daten zum chinesischen BIP und Industrieproduktion im Schlussquartal 2021 gemeldet. An den Kapitalmärkten dürfte es insgesamt volatil bleiben zwischen Sicherheit und Risikobereitschaft. Folglich sollte der DAX eine weitere Woche mit der Marke von 16.000 Punkten ringen. (14.01.2022/alc/a/a)