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Indonesien: Notenbank lockert die Zügel


10.10.17 09:56
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die indonesische Notenbank (BI) hat ihren Leitzins im August und September um jeweils 25 Bp auf nun 4,25% gesenkt und mit diesem hohen Tempo die Märkte überrascht, so die Analysten der DekaBank.

Erleichtert worden sei der BI dieser expansivere Kurs vor allem durch die günstige Preisentwicklung: Die Inflationsrate habe im August mit 3,8% knapp unter der Mitte des Zielbandes 3% bis 5% gelegen. Wichtiger noch: Die Währungshüter würden erwarten, dass der Preisdruck gering bleiben werde. Für 2018 sei das Zielband auf 2,5% bis 4,5% reduziert worden und die Inflationserwartung der Notenbank liege mit 3,5% komfortabel in diesem Band. Auch die konjunkturelle Entwicklung spreche eher für niedrige Leitzinsen. Mit 5,0% habe das BIP-Wachstum in der ersten Jahreshälfte zwar im internationalen Vergleich auf ordentlichem Niveau gelegen. Doch die Dynamik bleibe deutlich hinter dem mittelfristigen Wachstumsziel der Regierung von 7% zurück. Bis 2013 seien zumindest Wachstumsraten von 6% die Regel gewesen. Das Kreditwachstum habe im Juli bei 8,2% yoy und damit unter dem Zielband der BI (10% bis 12%) gelegen.

Die Notenbank werde jedoch die Währungsentwicklung stets im Blick behalten. 2013 sei die Indonesische Rupiah massiv unter Druck geraten, nachdem die US-Notenbank eine restriktivere Geldpolitik angekündigt habe. Sorgen habe damals vor allem das Leistungsbilanzdefizit Indonesiens ausgelöst, das 2013 auf über 3% des BIP angestiegen sei. Auch wenn es 2016 nur noch bei 1,8% gelegen habe, behalte die BI sowohl die Entwicklung der Leistungsbilanz als auch die Geldpolitik der FED genau im Auge.

Wenn Janet Yellen im Februar erwartungsgemäß aus dem Amt scheide, könnte in der FED durchaus ein restriktiverer geldpolitischer Kurs eingeschlagen werden, was den Druck auf die Rupiah erhöhen dürfte. Im bisherigen Jahresverlauf zeige sich die Währung jedoch sehr stabil. Angesichts des guten Ausblicks für die Inflation und des neu gewonnenen Vertrauens bei den Ratingagenturen (die seit Mai 2017 nun alle ein Investment-Grade-Rating vergeben) erscheinen die Gefahren für die Währung auch in den kommenden Monaten beherrschbar, so die Analysten der DekaBank. Eine weitere Zinssenkung würden die Analysten dennoch zumindest auf Sicht von sechs Monaten nicht erwarten.

Das Wirtschaftswachstum liege seit 2014 nur noch bei rund 5%, nachdem es in den Jahren zuvor meist bei etwa 6% gelegen habe. Da die Wirtschaft rohstoffabhängig sei, hätten Preisverfall und Überkapazitäten im Rohstoffsektor auf der privaten Investitionstätigkeit gelastet. Die Regierung wolle durch den Ausbau der Infrastruktur neue Investitionen im Verarbeitenden Gewerbe anregen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten seien hier mittlerweile Fortschritte erkennbar. Die Infrastrukturinvestitionen würden das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren anregen. Es werde allerdings lange dauern, bis Unternehmen in Indonesien eine gute Infrastruktur vorfänden. So bleibe das Land vorerst stark von der Nachfrage nach Rohstoffen abhängig.

Indonesien zeichne sich durch stabiles Wirtschaftswachstum, eine moderate Staatsverschuldung und eine gute Liquiditätssituation aus. Die Leistungsbilanz weise seit 2012 ein Defizit auf, das aufgrund der niedrigen Rohstoffpreise auch nicht bald verschwinden werde. Noch 2013 habe Indonesien aus Sicht der Finanzmärkte zu den am stärksten verwundbaren Emerging Markets gezählt, weil das hohe Leistungsbilanzdefizit zur Abhängigkeit von Kapitalzuflüssen geführt habe. Seitdem sei es durch eine vorsichtige Geld- und Fiskalpolitik, durch die Kürzung von Energiesubventionen und die Ausweitung von Infrastrukturinvestitionen gelungen, Vertrauen zurückzugewinnen. So weise der Ratingtrend wieder nach oben. S&P habe das Rating im Mai 2017 auf BBB- angehoben, womit Indonesien nun bei allen drei großen Agenturen über den Investment-Grade-Status verfüge. Moody's und Fitch würden zudem einen positiven Ratingausblick vergeben. (Ausgabe vom 09.10.2017) (10.10.2017/alc/a/a)