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Hohe Infaltion: Negative Auswirkungen auf den Konsum wahrscheinlich


19.11.21 11:22
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Neben den Lieferkettenstörungen belasten auch die deutlich ansteigenden Corona-Fallzahlen erneut die wirtschaftlichen Aussichten für Deutschland, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL AG.

Sollte die weitere Ausbreitung des Virus nicht schnell eingedämmt werden, bestehe die akute Gefahr einer verbreiteten Überauslastung der Gesundheitskapazitäten und damit möglicherweise erneute Shutdowns. Damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass sich nach einem Nullwachstum im vierten Quartal auch in den ersten Monaten des neuen Jahres nur eine verhaltene wirtschaftliche Dynamik ergebe. Denn weltweit sei auch kein Ende der Abfertigungsstaus einiger großer Containerhäfen absehbar.

In den USA hingegen werde die Wirtschaft im vierten Quartal stärker zulegen als im Vorquartal. Darauf würden die zuletzt gestiegenen Einkaufsmanagerindices hindeuten. Die Wirtschaft profitiere in diesem Fall von der geringen Exportabhängigkeit. Der wichtigste Baustein für die US-Konjunktur sei der private Konsum, der zurzeit von deutlich nachgebenden Arbeitslosenzahlen unterstützt werde. Entsprechend seien die Einzelhandelsumsätze allein im Oktober um 1,7 Prozent gestiegen. Auch die Industrieproduktion habe mit 1,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat deutlich zulegen können.

Neben der zuletzt auf 4,6 Prozent gesunkenen Arbeitslosenquote und 604.000 neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft sei in den USA auch eine steigende Anzahl von Kündigungen von Arbeitsverhältnissen durch Arbeitnehmer zu verzeichnen, die durch einen Jobwechsel höhere Löhne vereinbaren könnten. Gleichzeitig würden Unternehmen angesichts der boomenden Wirtschaft hängeringend nach neuen Arbeitskräften suchen. Die Anzahl der offenen Stellen in den USA liege weiterhin bei etwa 10,4 Millionen.

Der zunehmende Lohndruck bewirke zusammen mit deutlich steigenden Preisen für viele Vorleistungen, Rohstoffe, Transportkapazitäten und Energie einen anhaltenden Anstieg der Produzentenpreise. Diese wiederum seien in den USA Haupttreiber des sehr hohen Anstiegs der Verbraucherpreise - von zuletzt 6,2 Prozent. Die US-Notenbank FED räume zwar mittlerweile ein, dass die Inflation länger anhalten werde, gehe jedoch nach wie vor von einem temporären Phänomen aus. Daran seien jedoch zunehmende Zweifel angebracht.

Je länger die hohen Preissteigerungsraten anhalten würden, umso stärker würden sie von Wirtschaftssubjekten in allen Formen von Preissetzungen berücksichtigt - bspw. bei Lohnverhandlungen oder der Kalkulation von Verkaufspreisen von Gütern und Dienstleistungen. So könne eine sich selbst antreibende Preisspirale entstehen, die von der Notenbank nur durch schnelle und drastische Zinserhöhungen durchbrochen werden könnte. Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario sei zuletzt erheblich gestiegen. Es sei daher gut möglich, dass die FED die Geschwindigkeit der Reduktion der Wertpapierkaufvolumina (Tapering) schon im Dezember anhebe und bereits im zweiten Quartal 2022 eine erste Leitzinserhöhung vornehme.

Die schneller als erwartetet steigenden US-Zinsen würden dem US-Dollar einen weiteren Auftrieb geben. Für US-Aktien würden sich die kurzfristigen Perspektiven damit zusätzlich eintrüben. Auch für Schwellenländer wären steigende US-Zinsen und ein festerer Dollar ein Belastungsfaktor.

Sollte die Inflation auf stark erhöhten Niveaus verharren, wären über den Verlust an Kaufkraft negative Auswirkungen auf den Konsum wahrscheinlich. Auch deswegen habe sich US-Präsident Biden zuletzt besorgt geäußert. Dabei befinde sich gerade er in einer Zwickmühle: Das verabschiedete 1,2 Billionen US-Dollar Infrastrukturpaket und das in den Verhandlungen befindliche Paket für Klimaschutz und Soziales würden die Nachfrage und die Inflation tendenziell weiter anheißen. Gleichzeitig verwässere aufgrund steigender Preise der Investitionseffekt. In dieser Situation habe die Opposition leichtes Spiel und - aus heutiger Sicht - für die in einem Jahr stattfindenden Midterm Elections die besseren Karten. (19.11.2021/alc/a/a)