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Höhere Inflation erwünscht


14.09.20 12:00
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Bemerkenswert waren schon die äußeren Rahmenbedingungen: Wegen der Corona-Krise sind die Notenbanker der Welt dieses Jahr nicht wie üblich in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming zusammengekommen, so die Analysten von Postbank Research.

Das hochkarätig besetzte Symposium habe Ende August erstmals virtuell stattgefunden. Doch nachhaltig in Erinnerung dürfte das Treffen aus einem anderen Grund bleiben. Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Federal Reserve (FED), habe eine geldpolitische Innovation vermeldet: Die FED akzeptiere höhere Inflationsraten.

Hätten die US-Währungshüter bislang stets einen festen Zielwert nahe 2% im Blick, liege ihren geldpolitischen Entscheidungen nun eine Durchschnittsbetrachtung zugrunde. Demnach dürfe der Preisauftrieb in den USA künftig seinen langfristigen Zielwert von 2% über längere Zeiträume überschreiten. Laut Powell reflektiere die Entscheidung die Lehren der vergangenen Jahre, als die Inflationsrate nicht so gestiegen sei wie erwartet, obwohl die Arbeitslosenrate stark gefallen sei.

Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibe ebenfalls expansiv. Auf dem Jackson Hole-Symposium habe Chefvolkswirt Philip R. Lane erläutert, nach einer Phase der Stabilisierung der Märkte rücke nun verstärkt das Inflationsziel von 2% in den Vordergrund. Da die EZB selbst bis 2022 eine Inflation von 1% erwarte, sei Lanes Statement als klarer Hinweis auf eine weiterhin sehr lockere Geldpolitik zu verstehen. Es sei daher gut möglich, dass die EZB ihr Anleihe-Kaufprogramm noch ausweite. (Perspektiven September 2020) (14.09.2020/alc/a/a)