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Hochzinsanleihen: Die Qualität steigt in der Rezession - Einstiegschancen für Investoren


19.11.20 10:15
Legal & General IM

London (www.anleihencheck.de) - Die enormen geld- und fiskalpolitischen Anreize unmittelbar im Anschluss an die Marktturbulenzen im März konnten das Anlegervertrauen wiederherstellen, so die Experten von Legal & General Investment Management (LGIM).

Ein sich selbst verstärkender Kreislauf aus erneuten Kapitalzuflüssen, Neuemissionen in beispiellosem Umfang, verringerten Rating-Herabstufungen und rückläufigen Ausfallprognosen sei die Folge gewesen.

Volker Kurr, Head of Europe, Institutional, und Martin Reeves, Head of Global High Yield, bei Legal & General Investment Management (LGIM), würden erläutern, warum sie die derzeitigen Bewertungen am Markt für Hochzinsanleihen für attraktiv halten würden.

Am Markt seien mittlerweile in so großem Umfang Refinanzierungen erfolgt, dass nur wenige Unternehmen noch zusätzliche Liquidität benötigen würden. Neuemissionen würden jetzt eher dazu dienen, die laufende Verzinsung zu reduzieren und ohnehin schon günstige Fälligkeitsstrukturen weiter zu strecken. Da die Renditen von Staatsanleihen eingebrochen seien, könnten sich selbst die so genannten "Fallen Angels" - also Unternehmen mit gesunkener Bonität, deren Anleihe-Rating von Investment Grade auf Hochzinsniveau herabgestuft worden sei - zu niedrigeren Kupons refinanzieren, als sie derzeit zahlen würden.

Dies deute aus Sicht der Experten von Legal & General Investment Management darauf hin, dass die Ausfallwahrscheinlichkeiten in den Rating-Segmenten BB und B eher den Verhältnissen des Jahres 2016 als 2008 ähneln würden. Zwar dürfte sich im Bereich CCC eine Entwicklung wie 2008 ergeben, da Schuldner aus den Branchen Energie und Einzelhandel erneut stark unter Druck stünden, doch handle es sich dabei heute um ein kleineres Marktsegment als in der Vergangenheit.

In den letzten Jahren sei zu beobachten gewesen, dass die Zahlungsausfälle über den Marktzyklus hinweg insgesamt geringer ausgefallen seien, weil sich die durchschnittliche Qualität von Hochzinsanleihen verbessert habe. Wie die Abbildungen zeigen würden, würden in der Benchmark mittlerweile Emissionen mit BB-Rating dominieren. Die Bonität von Hochzinsemissionen sei stetig gestiegen - und Fallen Angels hätten dazu beigetragen. Nach dem Jahr 2008 seien bei fremdfinanzierten Übernahmen Anleihen durch Loans verdrängt worden, da diese ohne Verpflichtung zur Einhaltung festgelegter finanzieller Anforderungen (Covenants) auskämen, leichter verfügbar seien und niedrigere Finanzierungskosten beinhalten würden. Nun könnten sich erstmals vom Loan-Markt ausgehend die Ausfallraten erhöhen.

Ähnlich wie nach 2008 werde das Volumen des Hochzinsmarkts nach Erachten der Experten von Legal & General Investment Management deutlich zunehmen. Gründe dafür seien zum einen die gewachsene Bedeutung von Fallen Angels und zum anderen die Tatsache, dass einige notleidende Loans und direkte Kredite wahrscheinlich über Anleihen refinanziert werden dürften.

Bisweilen werde die Ansicht vertreten, dass die Erholung der Kurse von Hochzinsanleihen vorbei sei, aber nach Ansicht der Experten von Legal & General Investment Management widerspräche dies den Erfahrungen aus der Vergangenheit. So würden nach jedem starken Anstieg der Zahlungsausfälle die Insolvenzen deutlich zurückgehen und es komme zu einem "Survivorship Bias", insbesondere da Fallen Angels dann am Markt für Hochzinsanleihen ein höheres Gewicht hätten.

Die Politik reagiere auf gravierende wirtschaftliche Verwerfungen stets auf dieselbe Weise: Mit niedrigeren Zinsen und Anreizprogrammen. Berücksichtige man diese positiven Faktoren in einem Umfeld, in dem die schwächsten Unternehmen bereits aussortiert worden seien, so erscheine eine deutliche Verbesserung der Ausfallraten nicht mehr überraschend. Das erkläre, warum sich der Hochzinsmarkt nach ausgeprägten Rückschlägen nicht nur recht schnell erhole, sondern weshalb diese Erholung auch über einige Jahre angehalten habe.

Im derzeitigen Umfeld mit den niedrigsten Zinsen aller Zeiten könnten die absoluten Erträge zwangsläufig nicht so hoch sein wie in früheren Phasen. Die Experten von Legal & General Investment Management würden jedoch meinen, dass die Spread-Einengung immer noch ähnlichen Mustern wie in der Vergangenheit folgen dürfte, weshalb das Hochzinssegment auf risikobereinigter Basis attraktiv erscheine.

Besonders interessant an den jüngsten Marktentwicklungen sei gewesen, dass die raschen Herabstufungen seitens der Rating-Agenturen bei Anleihen mit dem Status von Fallen Angels nur relativ begrenzte Auswirkungen gehabt hätten. Dies sei weitgehend auf das beispiellose Ausmaß der direkten staatlichen Unterstützung für die Unternehmen zurückzuführen. Infolgedessen hätten sich absolut betrachtet die Renditechancen bei Fallen Angels verringert, da das im Kurs berücksichtigte Verlustrisiko begrenzt geblieben sei. Jedoch habe sich dadurch möglicherweise ein attraktives risikobereinigtes Renditepotenzial in relativer Hinsicht ergeben.

Mitte des Jahres 2021, wenn wahrscheinlich weitere Anreizprogramme auf den Weg gebracht würden, dürfte die Qualität am Markt für Hochzinsanleihen nach Meinung der Experten von Legal & General Investment Management zugenommen haben. Die Zahlungsausfälle sollten dann auf historisch niedrigem Niveau liegen und die meisten Unternehmen dürften sich um eine Verbesserung ihrer Bonität und ihres Ratings bemühen.

Auch die Anleiherenditen würden wahrscheinlich historisch niedrig sein, wodurch sich aus fundamentaler Sicht die Bonität der Emittenten wesentlich verbessern sollte, weil die Belastung durch laufende Zinskosten sinke. Der allgemeine Renditerückgang werde in Verbindung mit möglicherweise zunehmenden Sorgen hinsichtlich der Stabilität von Dividenden und Mieteinnahmen wahrscheinlich eine zunehmend verzweifelte Suche nach laufenden Erträgen auslösen. Damit einhergehen dürfte der dringende Wunsch, Zahlungsausfälle zu vermeiden, da die erzielten Erträge Verluste nicht mehr decken würden.

In dem skizzierten Umfeld sinkender Zahlungsausfälle könnte diese Kombination von Faktoren nach Meinung der Experten von Legal & General Investment Management die Spreads auf Rekordtiefs drücken und eine starke Nachfrage nach Hochzinsanleihen schaffen. (19.11.2020/alc/a/a)