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Hochzinsanleihen: Chancen durch erweiterten Horizont


11.09.17 12:00
AB

München (www.anleihencheck.de) - Die Nachfrage der Anleger nach Unternehmensanleihen ist auf dem höchsten Stand seit Beginn der globalen Finanzkrise vor rund zehn Jahren, so Gershon Distenfeld, Director of High-Yield Debt beim Asset Manager AB.

Die dadurch entstandene Kursexplosion bei einigen Anleihen lasse bereits die Alarmglocken schrillen. Angesichts der erwarteten Leitzinsanhebungen in den USA und des Zurückfahrens der quantitativen Lockerungsmaßnahmen in Europa sollten sich die Anleger jedoch in den kommenden Monaten auf Volatilität gefasst machen.

Investoren sollten sich deshalb jedoch nicht gleich komplett aus hochverzinslichen Anleihen zurückziehen - gerade Unternehmensanleihen hätten im vergangenen Jahrzehnt attraktive risikoadjustierte Erträge im Vergleich zu Aktien abgeworfen. Dabei seien sie weit weniger zinssensibel als der breite Anleihemarkt, da ein größerer Teil der Erträge vom Kreditrisiko stamme. Hinzu komme, dass die Europäische Zentralbank eine beruhigende Botschaft aussende, während sie den Stimulus-Entzug vorbereite. So habe Notenbankchef Mario Draghi nach der letzten Sitzung am 7. September angekündigt, dass vorerst alles so bleibe wie es sei, und im Oktober alle Instrumente auf den Prüfstand gestellt würden. Dann gelte es zu prüfen, ob das Anleihekaufprogramm zurückgefahren werde.

Der Konjunkturausblick in vielen Teilen der Welt sei ein weiterer positiver Faktor für hochverzinsliche Anleihen: Die verbesserten konjunkturellen Rahmenbedingungen sollten immer mehr Unternehmen zugute kommen und so Pleiten verhindern - ein Anstieg der Zahlungsausfälle im High-Yield-Sektor sei nach Meinung der Experten daher nicht wahrscheinlich. Und nicht zuletzt sollten Hochzins-Anleihen weiterhin von einer robusten Anlegernachfrage profitieren. Denn eine regelrechte Flutwelle von Geld stehe zur Anlage in Wertpapiere bereit, die attraktivere Renditen zu bieten hätten als das Gros der sichersten Staatsanleihen.

Dennoch sollten Anleger bei einigen hochverzinslichen Anleihen stets auch auf schwierigere Phasen gefasst sein. Besonders jene Anleger dürften eine schmerzhafte Zeit durchstehen müssen, die ihre hochverzinsliche Allokation nur wenig diversifiziert hätten. Eine gute Streuung sei der effektivste Weg, um plötzlich auftretende Volatilität zu überstehen. Wer das Chancenumfeld in seiner ganzen Breite nutze, könne zudem das Renditepotenzial heben. Besonders jetzt, da viele Bewertungen von Unternehmensanleihen überzogen erscheinen, so die Experten von AB. High-Yield-Anleger hätten heutzutage die große Auswahl unter Emittenten in der ganzen Welt.

Die Experten von AB glauben, dass einige der attraktivsten Angebote jenseits der herkömmlichen Bereiche für hochverzinsliche Unternehmensanleihen zu finden sind.

Ein interessanter Bereich, der sowohl die Rendite steigern als auch das Portfolio streuen könne: Besicherte US-Anleihen, insbesondere die so genannten "Credit Transfer Securities" (CRT). Diese würden von den staatlichen Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac emittiert. Mit diesen Papieren könnten Anleger am robusten amerikanischen Immobilienmarkt partizipieren - mit 1,96 Millionen zum Verkauf stehenden Häusern befinde sich der Bestand in diesem Bereich nahe des Tiefstandes der letzten 20 Jahre (Basis: per Haushalt).

Hinzu komme, dass die variable Verzinsung in einem Umfeld steigender Zinsen attraktiv sei. Anders als herkömmliche Anleihen der staatsnahen Institute bestehe zwar auch ein Ausfallrisiko, doch dafür würden die Anleger mit höheren Renditen angemessen kompensiert. Dazu befänden sich diese Investments noch in einem frühen, expandierenden Stadium des Kreditzyklus. Das bedeute, hier seien die Kredite weniger unter Druck und das Ausfallrisiko so überschaubar.

Auch im Bereich der Schwellenländer-Anleihen würden sich zahlreiche attraktive Chancen bieten, insbesondere im Subsegment der Lokalwährungsanleihen, das derzeit am stärksten wachse. Die Währungen vieler Schwellenländer seien historisch gesehen günstig und seit 2011 dramatisch gesunken. Viele Regierungen in den Schwellenländern würden zudem den Gürtel enger schnallen, die Inflation sinke oder sei zumindest stabil, zum Beispiel in Mexiko oder Brasilien, aber auch in Indonesien. Dadurch würden viele Zentralbanken der Schwellenländer Spielraum für Zinssenkungen erhalten. Die realen, also inflationsbereinigten, Renditen für Schwellenländer-Anleihen lägen im Vergleich zur Industrieländer-Konkurrenz (USA, Eurozone, UK und Japan) bei rund 2,5 Prozent, das sei nahe ihren historischen Höchstständen.

Die Experten von AB denken, dass Anleger mit einem erweiterten Anlagehorizont für Anleihen Renditen aus den verschiedensten Quellen weltweit anzapfen können. Dadurch würden sie gleichzeitig die potenziellen Risiken mindern, die mit der erwarteten geldpolitischen Straffung der kommenden Monate einhergehen würden. (11.09.2017/alc/a/a)