Erweiterte Funktionen

Hochverzinsliche Anleihen: Tiefststände überwinden, nach Höchstständen streben


03.07.20 09:00
State Street Global Advisors

Boston (www.anleihencheck.de) - Die Märkte haben seit März einen erheblichen Aufschwung erlebt, aber es besteht die Befürchtung, dass sie zu schnell zur Normalität zurückgekehrt sind, so die Experten von State Street Global Advisors in ihrem aktuellen SPDR Strategie Espresso.

Sicherlich gebe es nach wie vor ernsthafte Bedenken, die die Stimmung belasten würden - allen voran das Wiederaufleben von COVID-19. Solange die Ausbreitung der Pandemie auf lokaler Ebene bekämpft werde, sollte der Eindruck bestehen bleiben, dass sie unter Kontrolle sei.

Auch Wirtschaftsdaten sollten weiterhin eine Quelle positiver Nachrichten sein. Ein erneuter totaler Lockdown erscheine unwahrscheinlich, was bedeute, dass die Indikatoren weit über den Tiefstständen von April bleiben könnten. Die enormen geld- und fiskalpolitischen Anreize sollten ebenfalls dafür sorgen, dass sich die Erholung fortsetze. Die Wirtschaft habe in den Jahren 2009 und 2010 trotz eines stark beeinträchtigten Bankensektors auf diese Formen der Stimulierung reagiert. Die Fortsetzung der konjunkturellen Erholung dürfte ausreichen, um die Risikoaktiva zu stabilisieren.

Für Anleger in festverzinsliche Anleihen werfe dieses Umfeld die Frage auf, wo Renditen zu finden seien. Das Festhalten an hohen Allokationen in Bargeld oder Staatsanleihen bedeute, niedrige Renditen zu akzeptieren. Die Strategie der Experten der Bevorzugung von Unternehmenspapieren mit Investment-Grade-Rating (IG) habe sich gut bewährt, wobei der Bloomberg Barclays Euro Aggregate Corporate Total Return Index über 1,8% (bis zum 24. Juni 2020) erzielt habe, seit der Veröffentlichung ihres Espressos vom 4. Mai 2020 ("EZB: Kredite, wo Kredite nötig sind").

Die Spreads von IG-Unternehmen hätten sich gegenüber Staatsanleihen verengt. Und obwohl sie immer noch rund 40 Basispunkte höher seien als vor der Krise, scheine dies angesichts des weniger freundlichen Unternehmensumfelds eine angemessene Aufwertung zu sein. Dies entspreche immer noch einem Aufschlag von rund 150 Basispunkten gegenüber Staatsanleihen, so dass das Erzielen eines Mehrertrags eine Strategie bleibe. Angesichts der niedrigen absoluten Renditen würden die Gesamtgewinne allerdings begrenzt sein. Ein stabileres wirtschaftliches Umfeld bedeute, dass es Gründe gebe, über eine Allokation in Hochzinsanleihen nachzudenken:

Die optionsbereinigten Spreads (OAS) für Hochzinsanleihen (HY) seien nach wie vor rund 200 Basispunkte über dem Vorkrisenniveau des Bloomberg Barclays Liquidity Screened Euro HY Index. Sie würden sich der Weite von 2018 nähern, einer Zeit, in der sich der Markt über die Auswirkungen der Zinserhöhungen der FED auf Unternehmen Sorgen gemacht habe. Die Einstiegsniveaus seien also nach wie vor günstig für diejenigen, die einen Marktbereich mit einem gewissen Performancepotenzial suchen würden.

Die schlechteste Rendite des Bloomberg Barclays Liquidity Screened Euro HY Index liege bei fast 4,5%. Dies sei höher als bei Schwellenmarktanleihen und nur unwesentlich geringer als US HY Anleihen. Das bedeute, dass der Carry stark positiv sei. Bei einer optionsbereinigten Laufzeit des Index von 3,7 Jahren müssten die Renditen um mehr als 100 Basispunkte steigen, um die Gewinne aus dem Kupon zu eliminieren.

Die Unternehmensergebnisse würden im kommenden Quartal eine Herausforderung darstellen, da die wahren Kosten des Lockdowns erst deutlich würden. Die Zentralbanken und Regierungen hätten jedoch günstige Bedingungen für die Kreditaufnahme von Unternehmen geschaffen. Dies habe zu einem Rekordniveau der Emissionen geführt, was die Überlebensfähigkeit dieser Unternehmen verbessert haben dürfte. Dies könnte dazu beitragen, die Insolvenzen in den nächsten sechs Monaten einzudämmen.

Laut Bloomberg sei das Emissionsvolumen mit über 8 Milliarden Euro an Transaktionen, die erst in der vergangenen Woche abgeschlossen worden seien, sehr hoch gewesen. Es gebe nur wenige Anzeichen dafür, dass der Markt von diesem Angebot überwältigt werde, was zum Teil darauf zurückzuführen sei, dass die EZB weiterhin IG-Kredite aufkaufe. Das dürfte dazu beitragen, dass Mittel in den HY-Markt fließen würden. Der Sommer sei typischerweise eine Zeit, in der die Emissionstätigkeit nachzulassen beginne, bevor sie im September wieder anziehe. Der Angebotsdruck dürfte also abnehmen. Eine starke Emissionstätigkeit auf dem Primärmarkt sei jedoch nicht nur schlecht: Sie schaffe auch Chancen, da sie den Erwerb von Papieren mit einem Abschlag auf ihren fairen Wert erleichtere.

Eine große Zahl von Unternehmens-Herabstufungen werde als Risiko für die HY-Performance wahrgenommen, da diese "Fallen Angels" (Unternehmen, die ihr IG-Rating verlieren würden) in die kleinere Indexwelt von HY eintreten würden. Eine taktische Positionierung von Fondsmanagern könne dies jedoch tatsächlich zum Vorteil eines Fonds ausnutzen.

Zusammenfassend lasse sich sagen, dass der Markt wahrscheinlich weiterhin über ein Wiederaufleben von COVID-19 beunruhigt sein werde. Es sei aber wahrscheinlich, dass der Tiefpunkt für die Wirtschaft zumindest überschritten sei. Ein Großteil dieser positiven Nachrichten sei von den Märkten bereits eingepreist worden, was bedeute, dass eine weitere Verengung der Credit-Spreads zwar eintreten könne, aber wahrscheinlich nur allmählich erfolgen werde.

Gehe man von einem recht stabilen Markt aus, sollte das hohe Niveau der von HY gebotenen Kuponrenditen als wichtiger Beitrag zu den Portfoliorenditen nicht übersehen werden. (Ausgabe vom 02.07.2020) (03.07.2020/alc/a/a)