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Hilft die Impfstoff-Hoffnung auch den Bondmärkten?


18.11.20 12:30
Merck Finck Privatbankiers

München (www.anleihencheck.de) - Die Hoffnung auf einen bald verfügbaren Impfstoff lässt viele Anleger optimistischer ins kommende Jahr blicken, so Marc Decker, Head of Asset Management bei Merck Finck Privatbankiers.

Der steigende Risikoappetit habe in den USA bereits dafür gesorgt, dass "Safe Haven"-Anlagen an Attraktivität verloren hätten. Verkäufe von langlaufenden US-Staatsanleihen hätten die Rendite der zehnjährigen Treasuries fast auf 1 Prozent steigen lassen - ein Wert, den wir seit dem Ausbruch der Pandemie im März nicht mehr gesehen hätten. Dass deren Kurse bald wieder steigen würden - und die Renditen somit sinken würden - sei angesichts der zurückhaltenderen Politik der US-Notenbank unwahrscheinlich.

Auch an den Anleihemärkten würden also risikoreichere Anlageklassen wieder in den Fokus der Investoren rücken. Vor allem Euro- und US-Dollar-Hochzinsanleihen hätten in den ersten Tagen nach der Impfstoff-Ankündigung mit einem Plus von über 2 Prozent profitieren können. Damit reduziere sich der Risikoaufschlag gegenüber der Bundesanleihe - ein Effekt, der sich bei einer weiteren Konjunkturerholung im nächsten Jahr und einem damit verbundenen Rückgang der Ausfallwahrscheinlichkeiten für höher verschuldete Unternehmen fortsetzen sollte. Mit 3,3 Prozent im Euro und 4,5 Prozent in US-Dollar seien diese Aufschläge immer noch deutlich über den Vergleichswerten zum Jahresbeginn und würden damit noch einigen Raum für Kurssteigerungen bieten. Zusätzliche Unterstützung würden die Märkte für Unternehmensanleihen auch weiterhin von den Anleihekauf-Programmen der Notenbanken erhalten, die direkt und indirekt eine weitere Reduzierung der Risikoprämien unterstützen würden.

Ein weiteres Anleihesegment, das von einer rascheren Konjunkturerholung profitieren sollte, seien inflationsgeschützte Anleihen. Vor allem die US-Notenbank begebe hohe Volumina in solchen "Inflation-Linkern". In den USA habe auch ein günstigerer Konjunkturausblick bereits in den letzten Monaten zu einem Anstieg der Inflationserwartung geführt. Mit über 2,1 Prozent erwarteter Inflation in fünf Jahren liege dieser Wert für die USA um einen Prozentpunkt höher als in Europa. Mit inflationsgeschützten Staatsanleihen würden Anleger von einem weiteren Anstieg der Inflationserwartungen profitieren, da sie über eine gleitende Verzinsung einen Ausgleich für die tatsächlich eingetretene Inflation erhalten würden. Sich heute reale inflationsbereinigte Zinsen auf lange Zeit zu sichern, erscheine umso attraktiver, als ein rascher Anstieg der nominalen Zinsen sehr unwahrscheinlich sei. Ergänzend zu risikoreicheren Anleihen würden damit inflationsgeschützte US-Staatsanleihen einen Sicherheitsanker im Anleiheportfolio bilden.

Als drittes Segment an den internationalen Rentenmärkten, das von einer zügigeren Erholung der globalen Konjunktur profitiere, sollten sich Anleihen aus den Emerging Markets zeigen. Viele Schwellenländer und auch deren Währungen hätten im Jahresverlauf besonders stark unter dem Einbruch der Weltkonjunktur gelitten. So würden Investoren aktuell in US-Dollar-Staatsanleihen aus den Emerging Markets noch Renditen von über 4 Prozent erhalten. Der anstehende Wechsel im Weißen Haus in Washington lasse Anleger zudem auch auf weniger politische Belastungen für den Welthandel und die Schwellenländer hoffen.

Weil viele Unternehmen selber die vor ihnen liegenden Quartale noch nicht richtig einschätzen könnten, stünden auch die Prognosen der Analysten auf wackligen Beinen. Das mache sie anfällig für Enttäuschungen, sodass es im Zuge der vor uns liegenden Berichtssaison noch zu deutlichen Ausschlägen kommen könne. Langfristig jedoch würden Merck Finck Privatbankiers dank der umfangreichen - und vielleicht sogar überdimensionierten - Maßnahmenpakete der Notenbanken und Regierungen die Aussichten für die Unternehmen im DAX für sehr positiv halten. (18.11.2020/alc/a/a)