High Yield: Die Vorteile relativer Werte nutzen


06.11.19 09:15
Barings

Boston (www.anleihencheck.de) - Trotz der zunehmenden geopolitischen Spannungen erzielten die High-Yield-Märkte im dritten Quartal weitgehend positive Renditen und setzten damit das allgemein positive Jahr für die Anlageklasse insgesamt fort, so Martin Horne, Leiter des Global High Yield Teams bei Barings.

Die Performance für das Quartal habe für die High-Yield-Kernanlageklassen relativ eng beieinander gelegen, wobei US-amerikanische und europäische High-Yield-Anleihen 1,03% bzw. 0,92% erzielt hätten und US-amerikanische und europäische Loans 0,92% bzw. 1,09%. Auf Basis des bisherigen Jahres hätten die High-Yield-Anleihen die Performance der Loans übertroffen, da die zunehmend expansiv gestimmten Zentralbanken die Ströme weiterhin in festverzinsliche Anlageklassen zurückgelenkt hätten. Senior Secured Loans hätten 2019 bisher jedoch ebenfalls für eine solide Rendite gesorgt, da die Nachfrage aus neu gebildeten Collateralized Loan Obligations (CLOs) das mangelnde Interesse von Privatanlegern in den USA kompensiert habe. Im Laufe des Jahres habe sich die Renditedifferenz zwischen den beiden Anlageklassen verringert, da Anleihen infolge der Marktstimmung gegenüber Loans bevorzugt worden seien. Bei vergleichbaren Loan- und Anleiherenditen haben wir - in einer etwas gegenläufigen Sicht gegenüber dem, was sich auf dem Markt vollzog - eine Chance bei Loans gesehen, insbesondere in den USA, wo die Wirtschaft geringfügig stärker zu sein scheint als in Europa, so die Experten von Barings.

Im Großen und Ganzen würden die Fundamentaldaten der High-Yield-Emittenten stabil bleiben und der Markt scheine disziplinierter zu sein als in den Jahren vor der globalen Finanzkrise. Getrieben von einem relativ gesunden wirtschaftlichen Umfeld in den vergangenen Jahren seien die Unternehmensgewinne insgesamt solide und die Verschuldungsniveaus weitgehend stabil. Außerdem scheinen die Zinsdeckungsquoten, auch aufgrund niedrigerer Finanzierungskosten in den letzten zehn Jahren, relativ solide zu sein, so die Experten von Barings. Die Zahlungsausfälle - das größte potenzielle Risiko für High-Yield-Investoren - lägen weiterhin leicht unter dem langfristigen historischen Durchschnitt, und die Experten von Barings würden auf kurze Sicht nicht mit einem wesentlichen Anstieg rechnen. Sie seien sich jedoch bewusst, dass verschiedene Risiken, wie die laufenden Brexit-Verhandlungen, die globalen Handelsspannungen und die Rohstoffpreise, um nur einige zu nennen, fortbestünden. Sorgen um eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums und die Möglichkeit einer Rezession stünden für viele Anleger ebenfalls im Vordergrund. Statt zu versuchen, Investitionsentscheidungen um diese Faktoren herum zu timen, sähen die Experten von Barings einen Vorteil darin, einen rigorosen Bottom-up-Ansatz anzuwenden, der darauf abziele, Anleihen auszuwählen, die der kurzfristigen Volatilität standhalten und sich über Kreditzyklen hinweg halten könnten.

In den High-Yield-Märkten komme es historisch gesehen immer wieder zu Perioden vorübergehender Verlagerungen, in denen verschiedene technische Faktoren oder aufflammende Risiken dazu führen könnten, dass sich ein Marktsegment über einen bestimmten Zeitraum hinweg besser oder schlechter als der Gesamtmarkt entwickle. So habe z.B. die Volatilität Ende 2018 - ebenso wie die allgemeine Unsicherheit über das Wirtschaftswachstum - zu einer erhöhten Nachfrage nach Krediten höherer Qualität geführt und sich dieses Marktsegment im bisherigen Jahresverlauf überdurchschnittlich entwickelt. Obwohl es vielleicht noch zu früh sei, einen Trend zu erkennen, sehe man seit dem Ende des dritten Quartals eine Verschiebung - insbesondere bei High-Yield-Anleihen mit B-Rating, die jene mit BB-Rating übertroffen hätten. Dies sei nicht ganz überraschend, da die Unternehmen insgesamt solide Finanzzahlen melden würden und die Anleger begonnen hätten, sich wieder der Suche nach Renditen zuzuwenden.

Während High-Yield-Anleihen grundsätzlich recht stabil erscheinen, zeichnen sich am Horizont eine Reihe globaler makroökonomischer Risiken ab, die in Zukunft weitere Volatilität in die Märkte bringen könnten, so die Experten von Barings. Statt zu versuchen, Investitionsentscheidungen um potenzielle Risiken herum zu timen, sei es nach Meinung der Experten von Vorteil, einen strategischen, den gesamten Zyklus umfassenden Ansatz für High Yield anzuwenden, der aber flexibel genug sei, um es einem Manager zu ermöglichen, dort taktisch anzulegen, wo zum jeweiligen Zeitpunkt der beste relative Wert auf dem globalen Markt zu finden sei.

Obwohl wir weiterhin attraktive Werte in den traditionellen High-Yield-Märkten (Anleihen und Loans in den USA und Europa) sehen, nehmen wir auch die nichttraditionellen Segmente des Marktes - in Bereichen wie notleidenden Schuldtiteln, CLOs und Schwellenländer-Unternehmensanleihen - in den Blick, um potenzielle Chancen für Wertsteigerungen zu identifizieren, so die Experten von Barings. (06.11.2019/alc/a/a)