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Heute im Fokus: Realrenditetief


08.07.21 09:15
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Hierzulande und in den USA sind die Renditen zuletzt deutlich gesunken, wohl auch angesichts teilweise enttäuschender Konjunkturdaten, so die Analysten der Helaba.

Von einer allgemeinen Risikoaversion könne jedoch nicht gesprochen werden. So seien die Spreads weitgehend stabil und der deutsche Leitindex pendele seit Wochen um 15.600 Punkte, während der S&P 500 auf Rekordniveau liege. Auch die Wachstums- und Erholungsperspektiven der wichtigen Volkswirtschaften seien intakt, wenngleich Stimmungsindikatoren auf hohen Niveaus zu konsolidieren begonnen hätten. Seien sinkende Inflationserwartungen der Treiber der Entwicklung? Mitnichten, denn in der Eurozone habe sich die mittelfristige Inflationserwartung (5J/5J) wieder dem Hoch von Mitte Mai bei 1,64% genähert.

In den USA liege der Wert mit 2,33% zwar deutlich unter der Maispitze (2,54%), zuletzt habe er aber seitwärts tendiert. Mithin seien die Realrenditen zurückgefallen und würden sich zumindest im Falle deutscher Bundesanleihen den historischen Tiefpunkten nähern, was nicht recht zu den erwartet hohen realwirtschaftlichen Zuwächsen und dem gestiegenen Budgetdefizit der öffentlichen Hand passen wolle. Es sei wohl die Perspektive einer anhaltend lockeren Geldpolitik, die dafür verantwortlich sei, zumal die EZB kurzfristig noch keinen Willen zum Einstieg in den Ausstieg erkennen lasse.

Die rege PEPP- und APP-Aktivität drücke zum einen das Nominalrenditeniveau und lasse zum anderen vor dem Hintergrund hoher und steigender Rohstoffpreise die Inflationserwartungen nicht sinken. In den USA sei es im Hinblick auf ein FED-Tapering ebenfalls ruhiger geworden, sodass von dieser Seite kein Gegenwind aufkomme. Kurzfristig sei kein Impuls auszumachen, der ein Umdenken sowohl der Marktteilnehmer als auch der Geldpolitiker erzwingen würde, mittel- und langfristig sei eine Neubewertung aber unausweichlich. (08.07.2021/alc/a/a)