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Heute im Fokus: EZB-Strategieüberprüfung


09.07.21 08:50
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Bisher hatte die EZB das Ziel, die Teuerungsrate unter, aber nahe 2% zu halten, so die Analysten der Helaba.

Gelungen sei der EZB dies in den letzten zehn Jahren per saldo nicht. Der Durchschnittswert liege bei 1,1%. Auch die mittelfristigen Inflationserwartungen würden seit Jahren auf niedrigen Niveaus tendieren, was der EZB zunehmend Sorgen bereite. Vor diesem Hintergrund sei ein lang angekündigter Strategiewechsel vollzogen worden. Die EZB peile nun ein symmetrisches, mittelfristiges Inflationsziel von 2,0% an. Abweichungen davon seien zwar unerwünscht, könnten aber kurzfristig toleriert werden.

Der gefasste Beschluss des EZB-Rates werde erstmals mit der Ratssitzung am 22. Juli angewendet und mache lediglich offiziell, was ohnehin schon diverse Male von EZB-Vertretern formuliert worden sei. Dennoch sei es ein klares Signal an Finanzmärkte sowie Haushalte und Unternehmen: Die Geldpolitik bleibe bis auf Weiteres locker. Es sei nach Erachten der Analysten der Versuch, zu verhindern, dass sich die Inflationserwartungen dauerhaft auf tiefem Niveau festsetzen würden, denn die Erwartungen selbst hätten Einfluss auf die Preisbildung an den Güter- und Arbeitsmärkten.

Die EZB habe sich nach Erachten der Analysten mit der Zielanpassung und auch der Instrumentenwahl - Leitzinsen seien zwar das primäre Instrument, TLTROs, QE und Forward Guidance würden aber auch zukünftig genutzt werden können - größtmögliche Flexibilität gesichert. Ob es aber der EZB gelinge, die Teuerungsrate erfolgreicher am eigenen, neuen Ziel zu halten, liege nicht allein in ihrem Vermögen. Alle Wirtschaftssubjekte und globale Einflussfaktoren wie Rohstoffpreise, Welthandel und Wettbewerb würden eine Rolle spielen. Aus Sicht der Anleger steige angesichts dessen und der Gemengelage aus expansiver Geld- und Fiskalpolitik gleichwohl das Risiko höherer Preissteigerungen.

Datenseitig bleibe es heute ruhig und die Redebeiträge von Lagarde und Hernandez de Cos würden vermutlich keine neuen Erkenntnisse mit sich bringen. (09.07.2021/alc/a/a)