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Handelskonflikt rückt wieder ins Bewusstsein, Entspannung bei Italiens Anleiherenditen


05.09.18 09:45
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Es dürfte gestern kein einfacher Tag für Euro-Händler gewesen sein, obgleich sich die Gemeinschaftswährung eher langsam, aber dafür stetig abschwächte und bis Ende der europäischen Handelssitzung gegenüber dem Dollar den größten Ein-Tagesverlust seit dem 10. August zeitigte, so die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Dabei seien die Signale keineswegs so eindeutig gewesen, wie es zunächst den Anschein gehabt haben möge. Aber das Stimmungsbild habe sich vor allen Dingen zugunsten des Dollar verändert, weil mit einem Male wieder der schwelende Handelskrieg zwischen den USA und China ins Bewusstsein der Akteure gerückt sei. Denn die öffentliche Anhörungsfrist zu den neuen US-Strafzöllen auf China-Importe im Volumen von 200 Milliarden USD ende an diesem Donnerstag. Und danach könne US-Präsident Donald Trump diese Zölle direkt zur Anwendung bringen.

Und so schien sich gestern die Ansicht unter den Händlern durchzusetzen, dass eine Eskalation des Handelskrieges - obwohl vielerorts alle Beteiligten als Verlierer gesehen werden - am Ende dem Dollar zugutekommen, während die Valuten der Emerging Markets weiter an Wert verlieren würden, so die Deutsche Bank. Dies habe sich gestern auch an der Entwicklung der Türkischen Lira gezeigt, die allerdings im Verhältnis zu Dollar und Euro gegenüber der Vorwoche bislang kein neues Tief markiert habe. Obwohl die Zentralbank verlautbart habe, sie sehe kein Nachlassen des Inflationsdrucks. Vielmehr müsse man damit rechnen, dass die Preise für Grundnahrungsmittel und Energie als Hauptinflationstreiber auch im September kräftig ansteigen würden.

Überrascht dürften indes einige Akteure gewesen sein, dass sich der Rückgang der italienischen Anleiherenditen - die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen sei gestern gegenüber dem Hoch vom vergangenen Freitag vorübergehend um bis zu 20 Basispunkte gefallen - überhaupt nicht positiv für den Euro habe auswirken wollne. Vielleicht habe es auch an der Begründung für die Entspannung am italienischen Anleihemarkt gelegen, die die Devisenhändler nicht so recht überzeugt habe. Denn die Rally der Anleihekurse sei dem Vernehmen nach angeblich auf ein Statement Matteo Salvinis (Lega Nord) von Montagnacht zurückzuführen, wonach der stellvertretende Ministerpräsident sich abermals zur Einhaltung der EU-Haushaltsregeln bekannt habe.

Dieses Statement sei weder neu gewesen, noch sei der Widerspruch zu Luigi di Maios Äußerung (Fünf-Sterne-Partei) zu Wochenanfang damit aufgehoben. Di Maio, ebenfalls stellvertretender Ministerpräsident, möchte bekanntlich im kommenden Jahr das kostspielige Grundeinkommen für die Bürger einführen. Durch die gestrigen Abgaben habe der Euro jedenfalls seinen kurzfristigen Aufwärtstrend unterbrochen und eine abwärts gerichtete Korrekturbewegung zwischen 1,1655/60 und 1,1400 eingeschlagen. (05.09.2018/alc/a/a)