Haben große Notenbanken die Inflation im Griff? Auswirkungen restriktiverer Geldpolitik nicht unterschätzen!


08.10.18 13:00
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach zehn Jahren stetigem Wirtschaftswachstum ist eine in Zukunft steigende Marktvolatilität möglich, berichten die Experten von Franklin Templeton.

Langfristige Investitionen könnten allerdings unter Berücksichtigung der Inflation sowie des fortgeschrittenen Kreditzyklus noch lohnenswert sein.

Insgesamt sei das globale Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf Kurs, wenn auch in den vier größten Volkswirtschaften nicht mehr unbedingt im Gleichlauf. Die Vereinigten Staaten seien mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 4,2% im zweiten Quartal dieses Jahres, das vor allem vom US-Konsum getragen werde, stärker gewachsen als die Eurozone und Japan. Auf kurze Sicht dürfte sich die Lage in den USA nicht gravierend verschlechtern bzw. sich keine Rezession abzeichnen. Die Steuersenkung des letzten Jahres sowie die Deregulierung geben unserer Einschätzung nach in den nächsten 18-24 Monaten noch weiterhin positive Impulse, so die Experten von Franklin Templeton.

Aktuell sähen die Experten von Franklin Templeton in dem abgeschwächten Wachstum in der Eurozone keinen Grund zur Sorge. Es dürfe nicht vergessen werden, dass das BIP-Wachstum des vergangenen Jahres von 2,4% das stärkste seit 2007 gewesen sei. Dieses Jahr werde ein Wirtschaftswachstum von 2,1% angestrebt, was aufgrund einer stabilen Verbrauchernachfrage auch erreichbar sein sollte. Da es nur sehr wenige Anzeichen für eine Überhitzung der Wirtschaft gebe, verfüge die Europäische Zentralbank (EZB) über die Flexibilität, die Geldkonditionen sehr akkommodierend zu gestalten.

Für Investoren, die Europa (und insbesondere Deutschland) als Exportmaschine betrachten, möchten wir hervorheben, dass 56% des BIP-Wachstums der Europäischen Union (EU) auf den Inlandsverbrauch zurückzuführen sind, so die Experten von Franklin Templeton. Die Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten handle mehr mit anderen Mitgliedstaaten als mit Nicht-EU-Ländern. Damit verfüge Europa über ein Maß an wirtschaftlicher Selbstversorgung, welches exportorientierte Wirtschaften wie beispielsweise China nicht hätten.

Im Gegensatz zur EU habe China eine Verlangsamung des BIP-Wachstums bewusst in Kauf genommen. Der Grund hierfür sei der Wandel von einer investitions- und export­orientierten Konjunktur hin zu einer verbraucherorientierten Wirtschaft. Trotz zahlreicher Bemühungen stagniere der Anteil des privaten Konsums am BIP seit 2005 bei rund 40%. Eine Hürde zu einem stärkeren Binnenkonsum sei, die heimische Bevölkerung davon zu überzeugen, eine "premiumorientierte" Haltung einzunehmen. Seitens der Regierung sei es daher wünschenswert, dass ein größerer Anteil der Mittelschicht online einkaufe und westlichen Luxus konsumiere.

Wie von vielen Ökonomen erwartet, habe sich das chinesische BIP im zweiten Quartal 2018 auf 6,7% verlangsamt und damit leicht unter den 6,9% gelegen, die es 2017 erreicht habe. Die Weltbank erwarte, dass sich das chinesische BIP-Wachstum in diesem Jahr weiter auf 6,5% und in den folgenden zwei Jahren auf durchschnittlich 6,3% abschwächen werde. Was den eingeschlagenen Weg in Richtung konsumgetriebenes Wachstum besonders schwierig mache, sei, dass Peking auch das risikoreiche Kreditwachstum bekämpfe. Berücksichtige man zudem die Handelsspannungen zwischen den USA und China, stehe die Kommunistische Partei vor einem heiklen Balanceakt.

Während einige Anleger aufgrund einer drohenden Inflation langsam nervös würden, sähen die großen Zentralbanken die Dinge derzeit relativ entspannt. So scheine beispielsweise EZB-Präsident Mario Draghi davon überzeugt zu sein, dass die Inflation in der Eurozone vorerst in Schach gehalten werde. Die Experten von Franklin Templeton würden davon ausgehen, dass die EZB bis 2020 keine Zinserhöhungen vornehmen werde, allerdings habe Draghi angekündigt, die Käufe der Bank zur quantitativen Lockerung (Quantitative Easing: QE) bis Ende dieses Jahres einzustellen. Im Gegensatz dazu habe die Bank of England (BoE) im August die Zinsen angehoben und weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt, falls sich die Inflation über 2% beschleunigen sollte.

In den USA habe die US-Notenbank (FED) signalisiert, dass sie zwar eine Überschreitung ihres Inflationsziels von 2% tolerieren könnte, die Inflation jedoch beherrschbar zu sein scheine. Der FED-Vorsitzende Jerome Powell glaube, dass sich der Lohnanstieg in Grenzen halten werde, da entmutigte Arbeiter, die bis dato an der Seitenlinie gestanden hätten, endlich wieder in die Arbeitswelt eintreten könnten. Da die US-Wirtschaft heißer laufe, habe die FED bereits signalisiert, dass in diesem Jahr zwei weitere Zinserhöhungen bevorstünden, während sie für 2018 ein BIP von 2,8% erwarte. Mit dem steigenden US-Dollar würden die Devisenmärkte deutlich signalisieren, dass eine starke wirtschaftliche Dynamik in Kombination mit Powells stetigem Marsch zur Normalisierung der Politik eine überzeugende Kombination darstelle.

Möglicherweise würden die Märkte derzeit die Auswirkungen unterschätzen, wenn mehrere Zentralbanken die lockeren Zügel der Geldpolitik anziehen würden. Zur Erinnerung: 2008 habe die FED während der globalen Finanzkrise das QE gestartet, um die längerfristigen Zinsen zu senken und das Wachstum anzukurbeln. Durch den monatlichen Kauf massiver Mengen von Anleihen habe die FED Kredite und mehr Liquidität an US-Unternehmen und -Haushalte weiter gegeben, in der Hoffnung, die Wirtschaft zu beleben. 2014 habe die FED aufgehört, ihren Lagerbestand an QE-Anleihen zu erhöhen, und schrumpfe nun schrittweise ihre Bilanz, um die QE-Politik zu "normalisieren". Heute erlaube die FED, dass bis zu 40 Milliarden US-Dollar ihrer QE-Anleihen jeden Monat fällig würden, ohne sie zu ersetzen, und bis zu 50 Milliarden US-Dollar pro Monat ab Oktober 2018.

Die Bank of Japan (BoJ), die EZB und die BoE seien schließlich mit ihren eigenen QE-Programmen dem Beispiel der FED gefolgt. Da ihre Volkswirtschaften in Bezug auf die Erholung Jahre hinter den USA zurücklägen, würden die BoJ und die EZB auch heute noch Anleihen kaufen, obwohl sie ihre Käufe inzwischen zurückgefahren hätten. So habe die BoJ beispielsweise ihre Einkäufe von 2016 bis 2017 halbiert.

Ein Vergleich mache den Umfang dieser Kürzungen deutlich: Sei die kombinierte QE-Bilanz der G3-Zentralbanken in der zweiten Jahreshälfte 2017 um 703 Milliarden US-Dollar gestiegen, sei sie in der ersten Jahreshälfte 2018 nur noch um 76 Milliarden US-Dollar gewachsen. Die EZB gehe davon aus, dass sie ihre QE-Käufe bis Ende dieses Jahres vollständig beenden werde, während die Experten von Franklin Templeton erwarten würden, dass die BoJ ihre Käufe auf absehbare Zeit fortsetzen werde. Nachdem in den letzten Jahren durchschnittlich fast 150 Milliarden Dollar an neuen QE-Anleihenkäufen pro Monat getätigt worden seien, würden die monatlichen Nettoanlageinvestitionen innerhalb weniger Jahre auf null sinken. Die Experten von Franklin Templeton würden davon ausgehen, dass die EZB erst in einigen Jahren mit dem Abbau ihrer Bilanz beginne, und zwar deutlich nach der Rückkehr der Zinsen über null.

Wie der Markt auf das Ende des QE reagieren werde, bleibe unklar. Es scheine jedoch eine sichere Annahme zu sein, dass die Marktvolatilität zunehmen werde. Wir trösten uns damit, dass die Banken sich bewusst sind, dass der Prozess schrittweise ablaufen muss und dass sie die Reaktionen der Märkte zur Kenntnis nehmen werden, so die Experten von Franklin Templeton.

Was könnte die US-Wirtschaft und das globale Wachstum noch beeinträchtigen? Die eskalierende Handelsrhetorik zwischen den USA und China sei wohl die derzeit größte Unbekannte.

Wenn die Strafzölle greifen würden, könnten zahlreiche Unternehmen geplante Investitionen vorerst auf Eis legen. Zudem könnte auch der private Konsum betroffen sein. Denn sollten die Zölle die Warenkosten in die Höhe treiben, würden die Unternehmen nicht zögern, die Preiserhöhungen an die Verbraucher weiterzugeben. Wir sind allerdings der Meinung, dass Chinas nach wie vor überwiegend exportorientierte Wirtschaft kurzfristig anfälliger ist als die der USA, so die Experten von Franklin Templeton. Was den Handel betreffe, so würden die USA von einer bemerkenswert autarken Wirtschaft profitieren, da 68% ihres BIP aus dem Inlandsverbrauch stammen würden.

Die Vorhersage, wie sich diese Handelsspannungen entwickeln könnten, sei ziemlich schwierig, da die strategischen Handelsziele der Trump-Regierung nach wie vor etwas undurchsichtig seien. Vorerst könnten sich die Anleger allerdings Trost holen, indem sie sich die jüngsten Verhandlungen der EU mit den USA ansähen. Bei einem Treffen zwischen dem Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, und dem US-Präsidenten Donald Trump Ende Juli hätten wichtige Einigungen im Handelsstreit erzielt werden können. Allerdings sei es noch unklar, ob diese Verhandlungen letztendlich auch zu substanziellen Vereinbarungen führen würden. (Ausgabe 81 vom Oktober 2018) (08.10.2018/alc/a/a)





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