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Gute Einzelhandelszahlen drücken Kurse der deutschen Staatsanleihen


06.01.21 09:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat wegen der Corona-Pandemie seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 3,5% gesenkt, so die Analysten der NORD LB.

Bisher seien die Ökonomen von 5,2% ausgegangen. "Nach einem schrumpfenden Q4 erwarten wir einen wirtschaftlichen Einbruch von mehr als 2% jetzt in Q1", sage DIW-Präsident Fratzscher. Ein wirtschaftlicher Neustart in Q2 werde nur gelingen, wenn die Infektionswelle bis Februar abebbe und die Einschränkungen dann zum größten Teil aufgehoben werden könnten, habe es weiter geheißen.

In einer Konjunkturumfrage des ifo-Instituts hätten deutsche Autohersteller und Zulieferer die Geschäftslage zum Ende des Jahres 2020 schlechter bewertet. Im Dezember hätten sie ihre aktuelle Lage mit minus 5,4 (November: +5,0) Punkten deutlich schwächer beurteilt. Gleichzeitig würden die befragten Firmen für die nächsten sechs Monate aber eine Verbesserung der Situation erwarten: Der Erwartungswert sei auf plus 10,1 (-1,6) Zähler. "Die Autobauer und ihre Zulieferer spüren den neuerlichen Lockdown, sie setzen aber auf Nachholeffekte", habe es geheißen.

Nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamtes hätten die deutschen Einzelhändler ihren Umsatz 2020 trotz der Corona-Krise um voraussichtlich 5,3% ggü. dem Vorjahr gesteigert. Das sei der kräftigste Zuwachs seit Beginn der Statistik 1994. Preisbereinigt (real) habe das Plus bei 4,1% gelegen. Die größten Zuwächse habe der Online- und Versandhandel verzeichnet, der vom Corona-Lockdown besonders stark profitiert habe (Januar bis November: +24%). Dunkle Wolken seien hingegen über dem stationären Einzelhandel aufgezogen: Der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren sei um 21,1% gegenüber dem Vorjahr eingebrochen.

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland sei erstmals seit 2013 gestiegen. Im Jahresdurchschnitt 2020 sei die Zahl der Arbeitslosen um 429.000 auf knapp 2,7 Millionen geklettert. "Die Folgen der Corona-Pandemie und der Maßnahmen zu ihrer Eindämmung seien weiter sehr deutlich sichtbar. Die stabilisierende Wirkung der Kurzarbeit hat jedoch Beschäftigung gesichert und eine höhere Arbeitslosigkeit verhindert", habe BA-Chef Scheele gesagt.

Rentenmarkt: U.a. überraschend gute Einzelhandelszahlen im vergangenen Jahr hätten die Kurse der deutschen Staatsanleihen am Dienstag gedrückt. Zudem hätten starke US-Konjunkturdaten belastet.

US-Staatsanleihen hätten ihre Verluste im Verlauf ausgeweitet und dabei unter der guten Stimmung am Aktienmarkt gelitten. (06.01.2021/alc/a/a)