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Großbritannien: Geldpolitischer Kurs vom Ausgang der Brexit-Verhandlungen abhängig?


03.11.17 10:37
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Der Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt hat sich im Oktober fortgesetzt, so die Analysten von Postbank Research.

In saisonbereinigter Rechnung sei die Zahl der Arbeitslosen um 11 Tsd. Personen gefallen, nachdem sie im Vormonat sogar um 23 Tsd. gesunken sei. Zugleich habe sich die Zahl der gemeldeten offenen Stellen um 8 Tsd. auf 760 Tsd. erhöht. Erfahrungsgemäß liege die tatsächliche Zahl zu besetzender Arbeitsstellen aber wesentlich höher. Überdies sei die Zahl der Beschäftigten im September um 41 Tsd. gegenüber dem Vormonat gestiegen. Im Vorjahresvergleich habe sich ein Zuwachs um 653 Tsd. ergeben. Die Beschäftigungsentwicklung stehe damit unter Volldampf. Dies bedeute aber auch, dass es für Arbeitgeber immer schwieriger werde, offene Stellen adäquat zu besetzen. In Anbetracht der sehr guten Aussichten für die Konjunktur dürften die Überhitzungserscheinungen am deutschen Arbeitsmarkt 2018 deutlich zunehmen.

Die Bank von England habe gestern ihren Leitzins erwartungsgemäß um 25 Basispunkte auf 0,50% angehoben. Es sei ihre erste Zinserhöhung seit mehr als zehn Jahren gewesen. Gleichzeitig hätten die britischen Währungshüter aber ihre Orientierungshilfe für die Marktteilnehmer hinsichtlich zukünftiger Zinsentscheidungen verändert. Hätten sie im Anschluss an die vorangegangene Sitzung noch geäußert, dass die Märkte zu geringe Leitzinssteigerungen eingepreist hätten, so hätten sie nun auf diese Feststellung verzichtet. Zudem habe Gouverneur Carney auf die Abhängigkeit des zukünftigen geldpolitischen Kurses vom Ausgang der Brexit-Verhandlungen hin verwiesen. Insgesamt könnten die Äußerungen dahingehend verstanden werden, dass die Bank von England von der Notwendigkeit einer nachhaltigen Straffung der Geldpolitik nicht wirklich überzeugt sei. Dies bedeute zwar nicht zwingend, dass es keine weiteren Zinserhöhungen geben werde, jedoch dürften die britischen Notenbanker sehr zurückhaltend agieren.

Die Hurrikan-Verwüstungen hätten im September auch am US-Arbeitsmarkt ihre Spuren hinterlassen. So seien erstmals seit exakt sieben Jahren Stellen abgebaut worden, was wiederum für ein deutliches Erholungspotenzial im Oktober spreche. Die Daten würden heute veröffentlicht. Die Analysten von Postbank Research gehen davon aus, dass das Stellenplus mit 275 Tsd. klar über seinem Durchschnitt im bisherigen Jahresverlauf liegt. Überhaupt nicht im Einklang mit der Stellenstatistik habe im September zudem das Ergebnis der Haushaltsbefragung gestanden. Diese habe einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosenquote von 4,4% auf 4,2% ausgewiesen. Wie auch beim unerwartet starken Anstieg der Vorjahresrate der durchschnittlichen Stundenlöhne von 2,7% auf 2,9% spricht hier nach Erachten der Analysten von Postbank Research einiges für hurrikanbedingte Verzerrungen in den Daten. Die Arbeitslosenquote sollte im Oktober wieder auf 4,3% gestiegen sein. Auch für die Lohndynamik sei eine Normalisierung zu erwarten. (03.11.2017/alc/a/a)