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Greenspan-Put: Wiederkehrende Eingriffe seitens der FED am Zinsmarkt, wenn den Börsen Ungemach droht


09.09.21 11:00
LOYS

Oldenburg (www.anleihencheck.de) - Zu den wesentlichen Kennzeichen der gegenwärtigen Jahrhunderthausse an der Börse gehört die Robustheit der Kursentwicklungen trotz krisenhafter Wirtschaftsentwicklungen in der Welt, so Dr. Christoph Bruns und Ufuk Boydak von LOYS.

Man könnte sagen, es handele sich um Teflon-Börsen, denn negative Meldungen würden weitgehend folgenlos an ihr abperlen. Ob Griechenland-Rettung, Migrationskrise, Trump-Präsidentschaft, Corona-Pandemie oder das aktuelle Afghanistan-Fiasko, auch schwere politische und ökonomische Einschnitte würden nur kurz zu Kursrückgängen führen, um dann alsbald wieder in den Vorwärtsgang hochzuschalten.

Man werde nicht umhinkommen, den Notenbanken eine zentrale Rolle bei dieser Börsenentwicklung zuzuschreiben. Tatsächlich spreche man in den USA bereits seit mehreren Jahrzehnten vom sogenannten Greenspan-Put, der nach dem schillernden ehemaligen Notenbankpräsidenten der USA benannt sei. Dabei handle es sich um eine Redewendung für die nicht kodifizierte Versicherung der amerikanischen Notenbank, immer dann am Zinsmarkt einzugreifen, wenn Ungemach in der Wirtschaft und an den Börsen auftrete. Jedenfalls sei genau dies in den letzten zwei Jahrzehnten geschehen. Ob nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 oder inmitten der Subprime-Krise; die FED stehe Gewehr bei Fuß, um den Börsenzug nicht allzu sehr entgleisen zu lassen. Dabei würden die Zentralbanker sehr wohl um die Rückkopplungseffekte wissen, die von fallenden Aktienkursen auf die Wirtschaft ausgehen könnten, zumal in den USA.

Freilich würden die Nullzinspolitiken ihrerseits wesentliche Vermögenseffekte bewirken. Zwar hätten Anleihe-Investoren jahrelang durch steigende Kurse von den staatlich initiierten Zinssenkungen profitiert. Angesichts der weggeschmolzenen Kupons sei jedoch die tatsächliche Rendite vieler Anleihen seit Längerem real negativ. Demgegenüber würden Aktieninvestoren fortgesetzt durch die Ebbe im Zinsbereich profitieren. Nicht nur sei der Hauptwettbewerber zur Aktienanlage entfallen, auch die Unternehmen würden durch bessere Finanzergebnisse und einen zinsbedingt gestiegenen Zeitwert künftiger Unternehmensgewinne profitieren. Lediglich die Pensionsverpflichtungen der Unternehmen sähen höher aus durch die geringeren Abzinsungsraten.

Leider gehöre Deutschland zu jenen Ländern, in denen die Bevölkerung nicht besonders stark von dieser Entwicklung profitiere. Aktienanlagen würden in Deutschland nach wie vor nicht die Bedeutung besitzen, die man angesichts der Größe der hiesigen Volkswirtschaft erwarten dürfte. Die Bildung in Kapitalmarktfragen sei gering und hinzu komme, dass verworrene Ansichten über die Moralität der Gewinnerzielung einen klaren ökonomischen Blick verhindern würden. Ferner verstünden deutsche Politiker wenig von den Vorteilen großer und tiefer Finanzmärkte. Es spreche Bände, dass der Wirtschaftsminister vor kurzer Zeit in einem Interview mit der "Berliner Zeitung" damit kokettiert habe, keine Aktien aber ein Sparbuch und eine bescheidene Immobilie zu besitzen. Recht ähnlich habe sich der Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland vor gut einem Jahr vernehmen lassen, als er seine Aversion gegenüber Aktien und seine Präferenz für ein Sparbuch zum Besten gegeben habe.

Die LOYS AG werbe seit ihrer Etablierung am Jahresende 2004 unablässig für die Beteiligung der Bürger an der Wertschöpfung der Weltwirtschaft. Das Instrument dazu heißt Aktienfonds und die hohen Wertzuwächse aller unserer Fonds seither bestätigen unseren Gründungsbefund, so die Experten von LOYS. Man könne nicht erkennen, dass sich an dieser grundsätzlichen Einschätzung in den nächsten zehn Jahren viel ändern werde. Derweil würden die Experten von LOYS das Gebaren des Staates und seiner Notenbanken überwiegend als Risikofaktor betrachten, den man sorgsam im Auge behalten müsse. (Ausgabe vom 31.08.2021) (09.09.2021/alc/a/a)