Green Bund: Zusätzlicher Schwung für Sustainable Finance


07.09.20 13:15
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Boom am globalen Green Bond Markt setzt sich fort, so die Analysten der Helaba.

Ob das Rekordvolumen des letzten Jahres von 274 Mrd. US-Dollar im laufenden Turnus erreiche oder gar übertroffen werden könne, sei noch schwer zu sagen. Die Liste der Emittenten von grünen Anleihen wachse jedoch stetig, sodass in den kommenden Jahren mit einem weiteren kräftigen Wachstum zu rechnen sei. Dies gelte nicht nur für Unternehmens- oder Bankanleihen, sondern auch für Staatstitel. Frankreich, Irland, Belgien, die Niederlande und auch Polen hätten es schon vorgemacht. Nun habe Deutschland nachgezogen und den ersten Green Bund mit einem Volumen von 6,5 Mrd. Euro und einer Laufzeit von zehn Jahren platziert. Weitere grüne Emissionen sollten folgen, eine fünfjährige bereits im vierten Quartal.

Der Clou an den Green Bunds sei, dass sie stets als "Zwilling" einer bereits bestehenden Bundesanleihe ausgestaltet würden, mit identischem Kupon und identischem Fälligkeitstermin. Auch das Risiko sei dasselbe. Nur die Emissionsvolumina würden sich unterscheiden. Anleger hätten künftig also die Wahl zwischen grünen und konventionellen Bundesanleihen. Sie könnten somit bewusst in klima- und umweltfreundliche Projekte investieren - und zwar in hohem Umfang und mit einem Rating von AAA. Der erste Green Bund (ISIN DE0001030708 / WKN nicht bekannt) sei als Zwilling der bestehenden Bundesanleihe (ISIN DE0001102507 / WKN 110250) begeben worden. Er sei also mit einem Kupon von 0% ausgestattet und solle am 15. August 2030 zurückgezahlt werden. Die neuen Papiere seien auf eine sehr gute Resonanz getroffen. Das Orderbuch habe bei über 33 Mrd. Euro gelegen, die Anleihe sei somit mehr als fünfmal überzeichnet gewesen. Gepreist worden sei der Green Bund mit einer Rendite, die einen Basispunkt unter dem Sekundärmarktpreis seines konventionellen Zwillings gelegen habe. Der Bund spare über die Laufzeit der grünen Emission somit rund 6,5 Mio. Euro.

Insgesamt wolle die Bundesfinanzagentur in diesem Jahr bis zu 11 Mrd. Euro einwerben, um grüne Ausgaben zu finanzieren. Diese würden vielfältigen Zielen dienen: Saubere Verkehrssysteme sollten gefördert und CO2-Emissionen von Fahrzeugen reduziert werden. Ebenso solle der Übergang zu erneuerbaren Energien und einem effizienteren Energieverbrauch beschleunigt sowie die Forschung für eine nachhaltigere Zukunft unterstützt werden. Bei der Auswahl der finanzierten Projekte orientiere sich der Bund an etablierten internationalen Marktstandards, insbesondere den Green Bond Principles der International Capital Market Association. Zudem werde der Umweltnutzen der Ausgaben einer externen Überprüfung unterzogen und durch eine so genannte Second Party Opinion bestätigt.

Mittelfristig wolle der Bund Zwillingsanleihen mit Laufzeiten von 2, 5, 10 sowie 30 Jahren anbieten und so eine grüne Zinskurve aufbauen. Die Gegenüberstellung der grünen und konventionellen Zinskurve werde dann zeigen, ob Anleger tatsächlich bevorzugt in grüne Wertpapiere investieren würden und bereit seien, dafür einen Renditeabschlag (Greenium) in Kauf zu nehmen. Erste Studien würden dies nahe legen, bislang hätten den Analysten jedoch direkt miteinander vergleichbare Wertpapiere gefehlt. Dieser Vergleich werde nun durch das Zwillingskonzept vereinfacht. Der so sichtbar gemachte Finanzierungsvorteil für den Bund sollte weitere Emittenten, nicht zuletzt auch Bundesländer, ermutigen, ebenfalls Green Bonds zu begeben. Der Green Bund könnte somit eine Katalysatorentwicklung entfalten und mehr Investitionen in eine umweltfreundlichere Wirtschaft lenken. (Ausgabe vom 04.09.2020) (07.09.2020/alc/a/a)






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