Goldlöckchen adé, Volatilität voraus


06.11.20 10:53
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Die einst unkonventionellen, groß angelegten Käufe von Vermögenswerten durch die Notenbanken sind mittlerweile konventionell geworden - dauerhaft und grenzenlos, so die Experten von Degroof Petercam Asset Management.

Ursprünglich sollten sie als temporäres monetäres Instrument dem zyklischen Gegenwind entgegenwirken. Doch hätten sich die Anlagenkäufe mit der Zeit zu einem strukturellen Instrument gewandelt, das sowohl Geld- als auch Fiskalpolitik in großem Stil miteinander verbinde. Peter De Coensel, CIO Fixed Income bei DPAM, nenne dies 'QE zum Quadrat', da die Beschleunigung der Intensität der quantitativen Maßnahmen eine quadratische Funktion imitiere.

QE2 bringe die Märkte an die Grenzen ihres korrekten Funktionierens. Gestörte, von der Realität abweichende Marktbewertungen könnten dabei länger andauern. Man könnte in ein neues Marktregime eingetreten sein. Ein Regime, das anhaltend hohe Volatilität mit sich bringe und viele Marktteilnehmer in seiner Aggressivität und seinen potenziellen Ergebnissen überraschen könnte, so der DPAM-Rentenexperte.

Das Volatilitätsbarometer des US-Aktienmarktes, der VIX, habe im Sommer die 20er Marke getestet, liege aber derzeit wieder über 30. Der Durchschnitt über das Jahr 2020 liege bei etwa 30, was tägliche Bewegungen im S&P 500 von fast 2% impliziere. Was die Zinssätze betreffe, so sei der Volatilitätsspitze im März durch beispiellose Anleihenkäufe von Zentralbanken entgegengewirkt worden, was die Schwankungen auf historische Tiefststände getrieben habe. Im vergangenen Monat hätten die Experten jedoch einen erheblichen Anstieg der Volatilität bei den US-Renditen festgestellt.

In den letzten zehn Jahren sei die Volatilität der Märkte durch taktische quantitative Maßnahmen unterdrückt worden. Im Rückblick sei das Basisszenario als "Goldlöckchen-Anlagebedingungen" bekannt gewesen. Solide Risikobereitschaft sei gut belohnt worden. Gleichzeitig habe das Risikoszenario nur wenig Aufmerksamkeit erfordert. Der Beginn struktureller, globaler und groß angelegter dauerhafter Anlagenkäufe könnte eine Phase überdurchschnittlicher Volatilität ausgelöst haben.

Marktteilnehmer sollten Peter De Coensel zufolge eine zunehmende Volatilität der Renditen bei Anleihen, Aktien und auch Balanced-Anlageinstrumenten erwarten. Angesichts der engen Zusammenarbeit zwischen Geld- und Fiskalpolitik, bei der die Zentralbanken die Rolle eines Wächters einnehmen würden, der die Zinssätze für die Regierungen auf einem 'überschaubaren' Niveau halte, sollten Anleger aufmerksam sein und die Chancen nicht verpassen, die sich bieten würden, wenn die Langfristrenditen auf ein attraktives Niveau steigen würden.

Der Markt für US-Staatsanleihen bewege sich in Richtung attraktiver Einstiegspunkte. Demgegenüber würden die Bewertungen an den europäischen Anleihemärkten hoch bleiben, ein Ende der Hausse sei dort nicht in Sicht. Eine anhaltend hohe Volatilität könnte die Finanzmarktteilnehmer auf die Probe stellen. Es bleibe abzuwarten, ob die Zentralbanken ein Comeback des systemischen Finanzmarktrisikos vermeiden könnten, sobald die Spekulationswellen abflachen oder sogar in sich zusammenfallen würden... (06.11.2020/alc/a/a)





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