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Geldpolitische Wende der EZB erfordert viel Geduld - Nächste US-Zinsanhebung im Dezember


05.10.17 11:55
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die EZB-Ratssitzung am 7. September brachte kaum neue Erkenntnisse über den zukünftigen geldpolitischen Kurs in der Eurozone, so die Analysten von Postbank Research.

So habe der EZB-Rat wie erwartet sowohl die Leitzinsen für die Eurozone, als auch das monatliche Volumen und die Zusammensetzung des aktuell noch bis Ende dieses Jahres laufenden Anleiheankaufprogramms unverändert gelassen. Zugleich habe sich Mario Draghi erneut konstruktiv zur konjunkturellen Dynamik in der Eurozone geäußert. Im Einklang hiermit sei die quartalsweise erstellte EZB-Projektion für das BIP-Wachstum kräftig von 1,9% auf 2,2% im Jahr 2017 angehoben worden. Besorgt hätten sich die Währungshüter hingegen erneut bezüglich der verhaltenen Inflationsdynamik gezeigt. Insbesondere sehe der EZB-Rat diesbezüglich die jüngst erfolgte Euro-Aufwertung als maßgebliches Problem an, da ein stärkerer Euro Importe in den gemeinsamen Währungsraum verbillige. Die EZB habe daher die Euro-Aufwertung der vergangenen Wochen zum Anlass genommen, ihre Inflationsprojektionen für 2018 und 2019 um jeweils 0,1 Prozentpunkte auf 1,2% beziehungsweise 1,5% abzusenken. Das Ziel einer Inflationsrate von unter, aber nahe bei 2% in mittlerer Frist werde damit aus Sicht der Notenbank auch in den nächsten beiden Jahren weiterhin klar verfehlt.

Mit der jüngsten Kommunikation hält sich die EZB aus Sicht der Analysten von Postbank Research weiterhin alle Möglichkeiten für den zukünftigen Pfad ihrer Geldpolitik offen. Auf seiner Oktober-Sitzung werde der EZB-Rat voraussichtlich über den Fortgang des Anleiheankaufprogramms entscheiden. Dabei erwarte man weiterhin eine Verlängerung des Programms bei gleichzeitiger Reduzierung des monatlichen Ankaufvolumens ab Januar 2018. Mit einer Leitzinserhöhung wiederum sei nicht vor dem Jahr 2019 zu rechnen.

Das FOMC habe auf seiner Sitzung im September wie im Vorfeld erwartet den US-Leitzins unverändert bei 1,00% bis 1,25% belassen. Zugleich sei beschlossen worden, im Oktober den bereits im Detail avisierten Prozess zur Bilanzsummenverkürzung zu starten. Zugleich gehe das Gremium davon aus, dass die Inflationsrate kurzfristig noch unterhalb der Zielgröße von 2% verharre und sich erst mittelfristig bei dieser Marke stabilisiere. Janet Yellen habe allerdings kürzlich betont, dass die geringe Inflationsdynamik weiteren Zinsschritten der Notenbank nicht zwangsläufig entgegenstehe.

Im Einklang damit würden die US-Währungshüter unverändert noch einen Zinsschritt in diesem sowie drei weitere im kommenden Jahr erwarten. Die Analysten von Postbank Research sind diesbezüglich skeptisch. Zwar würden sie für den kommenden Dezember eine Leitzinsanhebung um 25 Basispunkte auf 1,25% bis 1,50% erwarten. Für 2018 würden sie aber nur mit zwei weiteren Zinsschritten rechnen, sodass die FED Funds Target Rate Ende 2018 bei 1,75% bis 2,00% liegen sollte. (Zinsen und Währungen Oktober 2017) (05.10.2017/alc/a/a)