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Geldpolitik wird straffer


10.01.22 10:00
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die erste Handelswoche des Jahres 2022 wurde an den internationalen Kapitalmärkten maßgeblich von der Geldpolitik bestimmt, so die Experten von Union Investment.

Insbesondere die US-Notenbank Federal Reserve (FED) habe im Blickpunkt gestanden. Auf ihrer letzten geldpolitischen Sitzung des Jahres 2021 hätten die Washingtoner Währungshüter bereits ein schnelleres Zurückfahren ihrer Anleihekäufe beschlossen und drei Leitzinsanhebungen für 2022 in Aussicht gestellt. Am vergangenen Mittwoch sei nun auch das Protokoll des Treffens, die sog. FED Minutes, veröffentlicht worden. Wie diese ausführliche Zusammenfassung der Sitzung zeige, hätten mehrere Mitglieder des entscheidungsrelevanten Offenmarktausschuss sogar für eine noch schnellere Straffung der Geldpolitik als ohnehin schon verkündet plädiert.

An den Kapitalmärkten sei das Protokoll daher als überraschend falkenhaft interpretiert worden. Insbesondere die Aussicht, schon kurz nach einer ersten Leitzinserhöhung auch die Bilanz der Notenbank abzubauen, sei so nicht erwartet gewesen. Zur Erläuterung: Durch die starken Ankäufe der vergangenen Jahre stünden vor allem Staats- und Hypotheken-Anleihen in enormer Höhe in den Büchern der FED. Konkret sei die Notenbankbilanz seit 2019 auf rund 8,3 Billionen US-Dollar angewachsen, davon US-Treasuries in Höhe von 5,65 Billionen US-Dollar. Das entspreche rund einem Viertel des Marktes für US-Staatsanleihen. Würde die FED diesen Berg abschmelzen lassen, käme also zusätzliches Netto-Angebot an den Rentenmarkt - eine mögliche Belastung für Anleihen und eine Quelle steigender Renditen.

Die FED als wichtigste Notenbank sei mit ihrem Kurs einer strafferen Geldpolitik nicht allein. In Europa habe beispielsweise die Polnische Zentralbank in der abgelaufenen Handelswoche den Leitzins um weitere 50 Basispunkte erhöht, genauso wie ihr peruanisches Pendant. Es handele sich also um einen weltweiten Trend.

Ein Grund dafür seien die hohen Inflationsraten. Das gelte nicht nur für die USA, sondern für weite Teile der Welt. Jüngstes Beispiel seien die am Dreikönigstag vorgelegten Zahlen für Deutschland gewesen. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes sei der Verbraucherpreisindex im Dezember 2021 um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und damit stärker als von der Mehrheit der Analysten erwartet gestiegen. Gegenüber dem Vormonat seien die Verbraucherpreise um 0,5 Prozent geklettert. Im Jahresdurchschnitt rechne das Statistische Bundesamt mit einer Teuerung von 3,1 Prozent. Das wäre der höchste Wert seit 1993. Auch die am Freitag veröffentlichten Inflationszahlen für den Euroraum seien hoch ausgefallen. Nach Angaben von Eurostat habe der Verbraucherpreisindex in der Währungsunion um 5,0 Prozent zugelegt, leicht oberhalb der Novembermarke von 4,9 Prozent.

Etwas schwächer seien hingegen viele Konjunkturdaten ausgefallen. In den USA sei etwa der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe für Dezember von 61,1 auf 58,7 Punkte gesunken. Damit liege der vielbeachtete Frühindikator aber immer noch deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Zudem würden einige Unterkomponenten darauf hinweisen, dass die Lieferkettenengpässe und der resultierende Preisdruck in der Industrie nachlassen würden. Auch der US-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor sei deutlich zurückgegangen. Das Barometer sei von 69,1 Punkten auf 62,0 Zähler gesunken. Marktbeobachter würden hier erste Effekte der stark angestiegenen Corona-Infektionszahlen in den USA sehen. Dort habe - wie in vielen anderen Ländern auch - die neue Variante Omikron zu einem sprunghaften Anstieg der Inzidenzen geführt. (Ausgabe vom 07.01.2022) (10.01.2022/alc/a/a)