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Geldpolitik im Euroraum bleibt sehr expansiv


04.12.17 08:45
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Nachdem die EZB auf ihrer letzten Ratssitzung eine Verlängerung des Anleiheankaufprogramms bis mindestens September 2018 und eine Reduzierung des monatlichen Ankaufvolumens auf 30 Mrd. Euro beschlossen hat, sind weitere geldpolitisch relevante Beschlüsse vorerst nicht zu erwarten, so die Analysten von Postbank Research.

Das Protokoll der Sitzung Ende Oktober zeige, dass der Fortgang des Anleiheankaufprogramms im Rat intensiv und kontrovers diskutiert worden sei. Dabei hätten sich einige Mitglieder dafür ausgesprochen, die bisherige Verknüpfung der Inflationsentwicklung mit den Anleiheankäufen aufzugeben. Im Kern gehe es dabei um die Frage, ob die EZB das Programm solange fortsetzen solle, bis ihr Inflationsziel von knapp 2% in greifbarer Nähe liege. Denn mit der sehr guten Konjunkturentwicklung nehme auch die Wahrscheinlichkeit eines wachsenden Inflationsdrucks zu, während die Kosten-Nutzen-Bilanz der massiven Marktinterventionen immer schlechter ausfalle.

Auffällig sei auch, dass vor allem die geldpolitischen Falken im EZB-Rat, die ein eher frühes Ende des Ankaufprogramms favorisieren würden, in den vergangenen Wochen in der Öffentlichkeit stärker in Erscheinung getreten seien. Sicherlich habe die Wahrscheinlichkeit, dass das Ankaufprogramm nicht noch einmal verlängert werde, tendenziell zugenommen. Die Analysten würden allerdings davon ausgehen, dass die Währungshüter einen vorsichtigen, graduellen Ausstieg favorisieren würden, um das Risiko von Marktverwerfungen so gering wie möglich zu halten.

Selbst wenn die EZB die Nettoankäufe Ende September 2018 vollständig einstellen würde, bliebe sie aber immer noch ein wichtiger Akteur am Anleihemarkt. Denn die EZB dürfte zunächst dem Beispiel der US-Notenbank folgen und von ihr zuvor erworbene, auslaufende Anleihen weiterhin ersetzen (sogenannte Reinvestitionen). Allein im Verlauf von 2018 werde sie auf diese Art und Weise zusätzlich zu den Nettoankäufen von 30 Mrd. Euro im Monatsdurchschnitt noch Anleihen über weitere 10 Mrd. Euro erwerben. Dieser Betrag werde in den Folgejahren, also nach dem voraussichtlichen Ende des Anleiheankaufprogramms, noch weiter ansteigen. Das Risiko größerer Marktverwerfungen sei einem solchen Umfeld eher unwahrscheinlich, zumal sich die EZB bei ihren Ankäufen hinsichtlich der zeitlichen Verteilung und auch mit Blick auf einzelne Anleihesegmente eine gewisse Flexibilität bewahren dürfte.

In Verbindung mit einem anhaltend niedrigen Leitzinsniveau werde die Geldpolitik ungeachtet der zu erwartenden Beendigung des Anleiheankaufprogramms dementsprechend auf absehbare Zeit sehr expansiv bleiben. Vor dem Hintergrund einer dynamischen wirtschaftlichen Erholung dürfte das Risiko einer konjunkturellen Überhitzung im Euroraum deutlich ansteigen. (Ausgabe Dezember 2017) (04.12.2017/alc/a/a)