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Geldmarkt preist derzeit noch keine bevorstehende Straffung der Notenbankpolitik ein


07.08.17 15:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die zuletzt veröffentlichten Daten zur Konjunkturlage in der Eurozone und den größten Volkswirtschaften im gemeinsamen Währungsraum deuten unisono darauf hin, dass der Aufschwung zunehmend an Kraft und an Breite gewinnt, so die Analysten der Nord LB.

Nach vorläufigen Schätzungen von Eurostat habe das preis- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt im 2. Quartal kräftig um 0,6% Q/Q expandieren können. Das von der EU-Kommission ermittelte Economic Sentiment habe im Juli auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren gelegen. Im zweiten Halbjahr dürfte die Wirtschaftsleistung in der Eurozone in annähernd gleichem Tempo expandieren. Dies setze die EZB unter Druck, von ihrem Pfad hin zu einer allmählichen Normalisierung der Geldpolitik zumindest nicht mehr abzuweichen. Einziger Wermutstropfen würden die derzeit noch zu niedrigen Inflationsraten bleiben. Dennoch stehe die EZB in der Herausforderung, einen Plan für die allmähliche Rückführung der geldpolitischen Stimuli spätestens ab 2018 vorzubereiten und möglichst marktschonend zu implementieren.

Der Sintra-Schock habe das Dilemma der EZB verdeutlicht. Eine Straffung des monetären Umfelds durch stark steigende Kapitalmarktrenditen zusätzlich zum immer festeren Euro sei sicher das Letzte, was die Geldpolitiker rund um Mario Draghi gebrauchen könnten. Der Geldmarkt preise derzeit allerdings noch keine konkret und unmittelbar bevorstehende Straffung der Notenbankpolitik ein. Der Eonia 1Y1Y Forward habe zuletzt bei - 0,235% notiert, nachdem er Mitte Juli in der Spitze bereits bis auf -0,165% geklettert sei. (07.08.2017/alc/a/a)