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Geldmarkt: Peak beim EONIA-Fixing gibt Rätsel auf


04.12.17 14:45
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - In der laufenden Woche stehen einige wichtige Konjunkturdaten aus der Eurozone und den USA auf der Agenda, so die Analysten der NORD LB.

Die bereits heute Vormittag veröffentlichten Zahlen zum sentix-Konjunkturindex hätten einmal mehr die hervorragende konjunkturelle Lage in der Eurozone bestätigt. Ansonsten richte sich der Blick vor allem auf den am Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktbericht, wo der positive Grundtrend der Beschäftigungsentwicklung erhalten bleiben dürfte. Klar sei aber auch, dass dies alles nur einen sehr geringen Einfluss auf die EUR-Geldmarktkurve haben werde. Kurzfristige Änderungen an der EZB-Geldpolitik seien praktisch ausgeschlossen. Zwar werde sich die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer in dieser Woche auch auf die Auftritte der EZB-Ratsmitglieder Draghi, Mersch und Nowotny richten - wegen des geringen zeitlichen Abstands zur nächsten geldpolitischen Entscheid am 14. Dezember dürfe man hier aber nicht mit allzu viel Neuigkeiten rechnen.

Auch bei dem außerordentlich hohen Niveau der Überschussliquidität scheine vorerst alles festzementiert. Insofern bleibe der Einlagefazilitätensatz der wesentliche Leitzins und Orientierungspunkt für die Geldmarktkurve. Seit der letzten Absenkung auf -0,40% im März 2016 habe sich der EONIA daher auch kaum von dem Gleichgewicht im Bereich von -0,35% entfernt. Selbst die in der Vergangenheit durchaus üblichen kräftigen Ausschläge an einzelnen Tagen (z.B. Ultimo-Effekte, Ende der Mindestreserve-Erfüllungsperiode) seien seither deutlich geringer ausgefallen.

Umso überraschender sei dann allerdings die jüngste Aufwärtsbewegung beim EONIA gewesen, der Ende der vergangenen Woche auf -0,241% gesprungen sei. Nachdem vom zuständigen European Money Markets Institute (EMMI) eine fehlerhafte Quotierung als mögliche Ursache ausgeschlossen worden sei, hätten Marktteilnehmer über die Gründe für den jüngsten Peak gerätselt. Monatsultimoeffekte mögen mit hineingespielt haben, würden aber sicher nicht diesen Ausschlag erklären. Andererseits dürfe er aber auch nicht als ein Signal für etwaige neuerliche Liquiditätsanspannungen im Interbankenmarkt fehlinterpretiert werden. Ansonsten wären doch sicher stärkere Effekte bei einer Vielzahl von Indikatoren zu beobachten gewesen. Als wahrscheinlichste Erklärung werde an den Märkten inzwischen ein hoher Betrag an Überschussliquidität der National Bank of Greece vermutet, die diese an nationale Partner zu landesüblichen, höheren Konditionen weitergereicht haben könnte.

Die National Bank of Greece gehöre zu den derzeit 28 Panelbanken, deren Transaktionen für die EMMI die Basis zur Kalkulation des EONIA bilden würden. Einem Bericht von Bloomberg zufolge könnte es sich um einen Betrag von ca. EUR 450 Mio. handeln. Dies sei für den Gesamtmarkt eigentlich ein vernachlässigbares Volumen, würde aber knapp 10% des zur EONIA-Ermittlung herangezogenen Volumens entsprechen. Damit würden auch die eigentlichen Probleme der Ermittlung des EONIA deutlich: Die begrenzte Anzahl an Panelbanken und das damit einhergehende geringe Volumen der zugrunde liegenden Transaktionen würden nicht erst seit den jüngsten Bewegungen Zweifel an der Repräsentativität aufkommen lassen. Zwar sei es auch zu leichten Ausstrahleffekten auf die kurzlaufenden Euriborsätze gekommen, der 3M-Euribor notiere auf dem höchsten Stand seit Januar. Allerdings entspreche die Bewegung auf aktuell -0,326% noch nicht einmal einem halben Basispunkt.

Insofern würden die Analysten der NORD LB auch hier von einem temporären Effekt und nicht einer strukturellen Verschiebung ausgehen. Daher sollten sich die Sätze wieder in die Nähe der vorherigen Niveaus zurückbewegen. Wenig verändert zur Vorwoche würden sich die mittelfristigen Leitzinserwartungen an den Märkten präsentieren: Der EONIA 1Y1Y Forward notiere aktuell bei -0,2481% und der EONIA 2Y1Y Forward liege mit 0,0037% knapp im positiven Bereich. (04.12.2017/alc/a/a)