Erweiterte Funktionen

Geldmarkt: "Operation Twist" laut Cœuré für EZB (noch) kein Thema


09.07.18 15:53
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Da die Phase des aktiven Quantitative Easing durch die EZB bis zum Jahresende auslaufen wird, rücken vor allem die Leitzinsen und die Reinvestmentpolitik in den Fokus der Geldpolitik und der Kapitalmarktteilnehmer, so die Analysten der Nord LB.

Im Nachgang zu der letzten Ratssitzung seien Spekulationen aufgekommen, die EZB könnte bei den Reinvestments verstärkt auf längere Laufzeiten setzen - so zumindest habe die Quintessenz eines Reuters-Artikels unter Berufung auf "Insider" gelautet. Ein solches Vorgehen würde der Operation Twist der US-Notenbank ähneln. Zugleich wäre es aber auch eine Abkehr von der bisherigen Reinvestmentpolitik, da bislang bei den Ankäufen das Marktportfolio als Orientierungspunkt dienen sollte. Hieran hätten sich die nationalen Zentralbanken bei der Umsetzung des QE-Programms zwar nicht sklavisch gehalten, gleichwohl sei zumindest mit zunehmender Laufzeit bei vielen Ländern eine Annäherung an diese Zielgröße festzustellen gewesen. Widerspruch zu einer solchen Idee sei aus der deutschen Bundesbank gekommen, die darauf hingewiesen habe, dass die Höhe des Reinvestitionsvolumens der entscheidende Beitrag aus geldpolitischer Sicht sei und die fälligen Beträge daher marktneutral reinvestiert werden sollten. Zusätzliche Impulse durch eine Abkehr vom EZB-Kapitalschlüssel oder eine "Operation Twist" habe Bundesbankvorstandsmitglied Wuermeling abgelehnt.

Aus dem EZB-Direktorium habe sich Benoît Cœuré zurückhaltend geäußert. Demnach sei hierüber im Rat noch nicht diskutiert worden. Cœuré erwarte auch keine Auswirkungen des Handelskonflikts auf den Exitpfad der EZB, zumal die Konjunkturdaten zuletzt wieder etwas besser ausgefallen seien. Der EONIA liege aktuell leicht unter der Marke von -0,36%, der 3M-Euribor notiere bei -0,321%. (09.07.2018/alc/a/a)